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5.0 von 5 Sternen
Der Patientenwillen als Maßstab des Handelns, 3. September 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ethische Aspekte in der Pflege von Wachkoma-Patienten (Taschenbuch)
Im Frühsommer dieses Jahres erschien im Schlüter`schen Verlag ein wichtiges Buch zu einem aktuellen und kontrovers diskutierten Thema, das sich im Spannungsverhältnis des technisch Möglichen und des ethisch Verantwortbaren bewegt.
Die Autorin, die zunächst die Ausbildungen zur Krankenschwester sowie zur Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege durchlaufen hat und danach Theologie und Pädagogik studierte, behandelt eingehend und zum Nachdenken anregend die ethischen Probleme in der Pflege von Wachkomapatienten, die sowohl Ärzte und Pflegekräfte sowie Angehörige gleichermaßen betreffen.
Im ersten Teil Buches wird das Krankheitsbild des Wachkomas hinsichtlich Entstehungsursachen, Symptomen, Krankheitsverlauf und Prognose komplex beschrieben: Menschen im Wachkoma (z.B. nach einem Unfall mit Schädel-Hirntrauma oder nach einer plötzlichen Hirnblutung) benötigen eine aufwendige Pflege und Rehabilitation. Ihre Prognose ist regelmäßig völlig ungewiss, eine verbale Kommunikation mit ihnen nicht möglich. Allerdings vermag niemand mit Sicherheit zu sagen, ob und wie viel der Mensch im Wachkoma von seiner Außenwelt erfasst, wenn er auch selber nicht in der Lage ist, sich zu äußern.
Der zweite Teil beleuchtet die rechtlichen Grundlagen. Hier geht es um den allgemeinen Lebensschutz des Grundgesetzes sowie um die Problematiken der Sterbehilfe und der Patientenautonomie. Am Beispiel des Kemptener Urteils (Herbeiführen des Todes durch Nahrungsentzug) wird die besondere Situation des Menschen im Wachkoma, der im Hinblick auf seine allgemeinen Körperfunktionen nicht als "Sterbender" anzusehen ist, in Bezug gesetzt zum unheilbar Erkrankten, der kurzfristig mit seinem Tod zu rechnen hat.
Kapitel 3 befasst sich mit den berufsethischen Herausforderungen der Ärzte im Umgang mit Menschen im Wachkoma, Kapitel 4 mit denen der Pflegekräfte.
Im 5. Kapitel beschreibt die Autorin die unterschiedlichen ethischen Positionen zu dieser Thematik aus christlicher, humanistischer sowie utilitaristischer Sicht. Dem Buch liegt die Diplomarbeit der Autorin zugrunde, was sich am wissenschaftlich geprägten Sprachstil bemerkbar macht. Eine stilistische Überarbeitung wäre für eine Zweitaufflage durchaus gewinnbringend.
Ausgesprochen positiv zu werten sind dagegen die zahlreichen Erklärungen auch komplizierter Sachverhalte, die die Autorin immer dann anbietet, wenn Verständnisschwierigkeiten durch medizinische Fachterminologie drohen. Auch der medizinische Laie, der sich mit der schwierigen Situation des Wachkomas z.B. nach dem Unfall eines Angehörigen konfrontiert sieht, wird das Buch verstehen und kann von ihm profitieren.
Die völlige Unsicherheit der Gesamtsituation stellt für Angehörige, Pflegende und Ärzte eine hohe Belastung dar. In Zeiten knapper finanzieller Ressourcen entsteht darüber hinaus ein gesellschaftlicher Druck. Ihm zu widerstehen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es endet daher im 6. Kapitel mit einer Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und - logischerweise - einem entschiedenen Plädoyer, den Patientenwillen zum Maßstab des Handelns zu machen. Dieses setzt jedoch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Fachdisziplinen voraus. Das Buch wird dazu einen sehr wichtigen Beitrag leisten.
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