Thomas Kohrs, Vermögensberater bei einer christlichen Steyler Missionsbank, und Anselm Grün legen ein Buch zum christlichen Investment vor. Nach einer kurzweiligen Darstellung der Geschichte des Geldes folgen Arten und Grundprinzipien der Geldanalage, eine Auseinandersetzung zur Börse und zur Ethik des Investments. Am Schluss gibt es ein kleines Börsen-ABC, Informationen zu christlichen Banken in Deutschland und weitere praktische Informationen.
Anselm Grün untersucht das Lukasevangelium in Richtung finanzielles Verhalten. Er identifiziert Lukas als am griechischen Bürgertum orientiert, schreibend für Leute, die für damalige Verhältnisse als Mittelstand galten. Grün sieht in der Perspektive des Lukasevangeliums die sinnvolle Nutzung von Geld. Es ist nicht zu verteufeln, sondern sinnvoll einzusetzten, so wie es Anselm Grün selbst auch in seiner eigen Cellelartätigkeit beherzige.
Die Autoren haben das Buch vor der Finanzkrise 2008 geschrieben. Dennoch ist vieles immer noch richtig. Thomas Kohrs bestreitet hier den weitaus überwiegenden Teil des Buches. Die Grundregeln für die Beratung würden beim heutigen Wissen sicher noch klarer ausfallen. Offenheit, Vertrauen, Fragen, Klugheit, Weisheit und Bescheidenheit sind schöne Werte. Sie haben aber das Problem der Kunden nicht gelöst, wie auch christliche Institute erfahren mussten, die Zertifikate verkauft hatten. Es braucht enormes Fachwissen und Gespür für die wirtschaftlichen Hintergründe, die viele Banker und ihre Researchabteilungen nicht hatten und so Entscheidungen trafen, die den Kunden viel Geld kosteten.
Radikal sind im Buch die Listen für ethisch problematische Geldanalagen, worunter beispielsweise die Rüstuzngsindustrie fällt. Dies erscheint mir wenig zu Ende gedacht, weil dann kaum ein großes deutsches Industrieunternehmen von der Stahlindustrie über Lastwagenhersteller bis zum Maschinenbau noch investabel ist. Ähnliches gilt für die Pharmabranche. Man kann diese Position beziehen, sollte dies aber auch dann klar mit Beispielen benennen.