Mit seinem Buch "Ethik - Werbung - Mediengewalt" hat Th. Bohrmann eine Arbeit vorgelegt, die im medienethischen Diskurs bisher so nicht zu finden war: Die Frage nach der Bewertung von Werbung im Allgemeinen und, als aktuelle Anfrage, im Umfeld von Gewalt im Fernsehen. Der Autor legt dabei strenge Kriterien, die ihm seine wissenschaftliche Herkunft, die Theologie und die Soziologie, vorgeben, an. Zuerst wird Werbung in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen sachlich beschrieben, gefolgt von einem modernen Bild des Menschen, das Grundlage aller weiteren Überlegungen ist. Ausführlich werden die verschiedenen Verantwortungsträger innerhalb der Werbung vorgestellt und mit ihrer werbeethischen Funktion in Beziehung gesetzt. An einigen Beispielen wird abschließend das entwickelte ethische Instrumentarium überprüft. Im folgenden Teil geht es zwar zu allererst um "die Gewaltdarstellung in den audiovisuellen Medien", Th. Bohrmann bietet aber auch eine umfassende Einführung in die drei exemplarischen Genres Sience-fiction-("Terminator"), Action-(Hard-Boiled"), und Horrorfilm ("Friedhof der Kuscheltiere"), mit zum Teil überraschenden Interpretationsansätzen. Der Autor stützt sich dabei v.a. auf die grundlegende Arbeit von Th. Hausmanninger("Die Kritik der medienethischen Vernunft"), die er immer wieder aufgreift und deren zentrale Inhalte (z.B. der "delectatio"-Begriff als legitimes Bedürfnis der menschlichen Natur)er als grundlegend für die Bewertung gewalthaltiger Filme übernimmt. Auch in diesem Teil werden die Verantwortungsträger innerhalb der Mediengesellschaft genannt. Abschließend folgt die Entwicklung einer "ethischen Kriteriologie für die Präsentation von Mediengewalt im Fernsehen", in der der Autor u.a. zu so bemerkenswerten Ergebnissen wie einer "Ethik der Schnittbearbeitung" kommt. Das Buch schließt mit drei "sozialethischen Plädoyers für eine offene Mediengesellschaft", in denen der Autor die vorangegangenen Ergebnisse sichtet und die positive Rolle "freier" Medien, die seiner Ansicht nach durch die vorhandenen Organe hinreichend kontrolliert werden können, für die Gesellschaft herausstreicht. Eine verbesserte und auf alle Bereiche ausgerichtete Medienpädagogik könnte hier einen entscheidenden Betrag zum "vernünftigen" Umgang schaffen. Das Buch beeindruckt den Leser nicht nur durch seine ausführlichen Beschreibungen der aktuellen Medienwelt, bei denen er ganz nebenbei sehr kompetent in einige zentrale Begriffe der Soziologie und Filmphilologie einführt, es ist außerdem ganz explizit normativ ausgerichtet und möchte so dem modernen Menschen angemessene Kriterien zur Beurteilung von Werbung und Mediengewalt zur Hand geben. Das Buch ist also nicht nur für Fachleute aus den Bereichen Werbung, Medien und/oder Ethik, sondern für alle, die sich umfassender mit dieser äußerst aktuellen Thematik befassen wollen, sehr zu empfehlen (und sei es nur, um das persönliche Faible für Actionfilme endlich auch intellektuell verantworten zu können). (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)