Der Autor war Professor für Systematische Theologie an der Uni Tübingen. In seiner Theologie greift er auf Das Prinzip Hoffnung von Ernst Bloch zurück. Darin ging es ja um die neomarxistische Erkenntnis, dass der Mensch von einer unverdrossenen Hoffnung auf eine Besserung in der Zukunft baut. So sei auch letzten Endes die Kultur entstanden. Moltmann meint nun diesen säkularen Gedanken auf theologische Verhältnisse umdeuten zu müssen. Das könne dann motivierend sein für die Christen. Immerhin betont er dabei die in unserer Zeit eher in den Hintergrund geratene Endzeiterwartung und die Beschäftigung mit der Eschatologie, die ja in der Bibel einen breiten Raum einnimmt. Bei Evangelikalen war das jedoch nie der Fall. "Wenn es die Hoffnung ist, die den Glauben erhält, trägt und nach vorne zieht, wenn es die Hoffnung ist, die den Glaubenden in das Leben der Liebe hineinzieht, dann wird es auch die Hoffnung sein, die das Denken des Glaubens, sein Erkennen und Bekennen des Menschseins, der Geschichte und die Gesellschaft mobilisiert und antreibt." Ob das ganz dem entspricht was Jesus meinte, als er seinen Jüngern sagte: Ihr seid in der Welt aber nicht von der Welt! Und: Ihr könnt nicht zwei Herren dienen.
Es ist schon richtig, die christliche Hoffnung richtet sich auf ein novum ultimum, auf eine Neuschöpfung aller Dinge durch den Gott der Auferstehung. Aber der christliche Glauben ist mehr als nur ein unbestimmtes, wohlmeinendes Hoffen. Moltmann hat die berühmte Wendung Anselms von Canterbury fides quaerens intellectum - credo, ut intelligam (der nach Verstehen strebende Glaube - ich glaube, um zu verstehen) abgewandelt in spes quaerens intellectum - spero ut intelligam (die nach Verstehen strebende Hoffnung - ich hoffe, um zu verstehen. Echter Glauben ist für ihn ein politischer Glauben, der sich für Demokratie und Befreiung der Unterdrückten einsetzt. Trotz der Worte Jesu, mein Reich ist nicht von dieser Welt, bedeutet das nicht, dass man sich nicht für diese Welt einsetzt.