Es gibt Filme, die kann man nicht beschreiben. Man zerrt die Leute am besten einfach ins Kino und wartet grinsend im Hintergrund und hofft, daß sie sehen, was man gesehen hat. Da diese Variante sehr mühevoll und kostspielig ist, bleibe ich beim Schreiben und der uralten Frage, wie sehr ein Film vom Drehbuch oder vom Regisseur abhängt.
Beim Drehbuchautor Charlie Kaufmann werde ich das Gefühl nicht los, daß die Regisseure seinem Rhythmus gehorchen. Ob Being John Malkovich oder Adaptation - es sind Filme, die genetisch miteinander verbunden sind und uns die Welt aus einem schrägen Blickwinkel präsentieren. Alles scheint möglich und dennoch vollkommen unmöglich.
Bisher waren die Innenwelten der Menschen und ihre Schwierigkeiten Kaufmanns Thema, jetzt wird der Ball den Beziehungen zugespielt. Daß dafür ausgerechnet Jim Carrey die Hauptrolle übernimmt, wird viele davon abschrecken ins Kino zu gehen. Ganz besonders nachdem es dem Verleih gelungen ist, diesem Film einen der dämlichsten Titel aller Zeiten zu verpassen. Wie jemand von dem wunderbaren Originaltitel zu Vergiß mein nicht! kommen konnte, ist nachzuvollziehen und dennoch nicht zu entschuldigen. Auch auf diese Weise kann man Regisseur Michel Gondrys zweites Werk verhunzen, das eigentlich den Stempel originellster und innovativster Film des Jahres tragen müßte.
Der Alptraum einer jeden Beziehung ist oft nicht das Zusammenbrechen derselben, sondern die Nachwehen. Wie soll man sie überstehen? Wie geht es danach weiter? Und wie zum Teufel vergesse ich einen Menschen, den ich so sehr geliebt habe?
Um diese Frage zu beantworten, benutzt dieser Film Elemente für die Spielberg viel Geld zahlen würde. Wir haben Realität gemixt mit einen Hauch Science Fiction, wir haben tiefe Gefühle, pointierten Humor und einen unglaublich kaputten Jim Carrey, der so noch nie zu sehen war. Er taumelt von einer Szene in die nächste wie ein Schlafwandler, dem heimlich LSD verabreicht wurde. Es hätte mich zwischendurch nicht gewundert, wenn er neben mir im Kino aufgetaucht und nach dem Notausgang gefragt hätte. Kate Winslet erstrahlt an seiner Seite in solch einem depressiven Licht, daß man sie in eine Decke wickeln und ihr einen Kakao machen will.
Danach habe ich mich gefragt, wie es nur sein kann, daß der Ideenreichtum nie abbricht, daß immer wieder neue Dimensionen im Film betreten werden und etwas Aufregendes daraus entsteht. Vielleicht liegt es an dem Wunsch uns Menschen besser verstehen zu wollen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß in diesem Fall das Drehbuch von Kaufmann mit der einmaligen Regie von Gondry einen neuen Weg weist und uns sagt, daß eine Veränderung dem Lauf der Dinge entspricht. Wir können dazulernen, wir haben die Fähigkeit zur Entwicklung in uns, wir sind wichtig. Und wer das alles erleben möchte, sollte sich von mir ins Kino schleppen lassen und diesen Film sehen.