Nach "Lucinda Williams" und "Car Wheels.." zuerst befremdlich, gewöhnungsbedürftig. Eine konsequent weitergehende, immer intimer werdende Lucinda Williams. Sehr sorgfältig produziert, nie überladen, auf die wesentlichsten Merkmale reduziert - impressionistische Klangtupfer, die Stimmungen malen wie Monet seine Lichtimpressionen. Und die Stimme - ganz nah am Mikro, noch der leiseste Hauch wird eingefangen (mein Tip: die Platte mit Kopfhörer hören - das ist, als würde einem Lu direkt ins Ohr flüstern und das sorgt für Kribbeln im Rückgrat..). Sehr gute Gitarrenarbeit, sparsam, "knopflermäßig" ohne dessen dröge Langweiligkeit und ein geradezu modern groovender Jim Keltner: hätte nicht gedacht, daß dieser "Ich-bin-überall-dabei-Drummer" sowas draufhat..Die Songs erzählen wieder diese traurigen, bittersüßen oder wild fordernden Geschichten, die wir alle so lieben: ein bißchen 'was von Peckinpahs "Pat Garrett & Billy the Kid" (diese Traurigkeit der Sterbeszene des Sheriffs mit Dylans "Knockin' on Heaven's Door" im Hintergrund) - aber 10 Jahre später und schon am Anfang wissend, wie es enden wird. Ohne Peckinpahs Heroismus, banaler, alltäglicher. Schon der Titelsong "Lonely Girls" setzt die Tonart - sie gehört dazu, sie weiß, wovon sie singt. Oder "Out of touch" z. B. mit diesem herrlich verschleppten Beat, der trotzdem vorwärtstreibt und dem man stundenlang zuhören könnte und Lus Text über Entfremdung, lasch gewordene Beziehungen, Freunde, die sich nichts mehr zu sagen haben und nur noch verlegen mit den Füßen scharren bis hin zu dem Punkt, wo man sich auf der Autobahn begegnet und sich kurz zuhupt..Die wütende Explosion von "Essence" - sie klingt wie eine Süchtige und benutzt auch diesen Fixerjargon, rockend und hart. Aber vor allem "Blue" - für mich der absolute Höhepunkt des Albums: Lus Bekenntnis zur Melancholie. Und wer einmal erlebt hat, wie sie dieses Lied auf der Bühne bringt, der weiß, daß es ihr mit jedem Wort Ernst ist. Dieser Song ist Miß Williams pur.