... über den von Katherine Hepburn kann man zweifellos geteilter Meinung sein, wie das in einigen Retrospektiven auf Hepburns außergewöhnliches Leben und ihre einzigartige Karriere auch mehrfach angedeutet wird. Nicht, dass sie in irgendeiner Weise schlecht gespielt hätte, allerdings ist ihre Rolle als Christina Drayton doch recht eindimensional und vorhersehbar gestrickt, so dass "die Zarin" - wie Hepburn nach ihrer ersten großen Theaterrolle und aufgrund ihres bisweilen herrischen Auftretens in Hollywood genannt worden war - hier nicht wie gewohnt mit ihrer Intelligenz und ihrem Witz glänzen konnte. Möglicherweise war es aber auch gerade diese sehr zurückgenommene, fast innig zu nennende Darbietung Hepburns, die die Jury zu ihrem Urteil veranlasst hat, ihr hier für die Rolle der zu ihrer Tochter haltenenden Mutter Christina Drayton den zweiten von insgesamt vier Oscars für weibliche Hauptrollen zu verleihen. Eine bis heute unerreichte Marke.
Die herausragende schauspielerische Leistung lieferte ganz sicher Spencer Tracy in seiner letzten Rolle als zwischen liberalen Idealen und konservativen Bedenken hin und her gerissener Vater Matt Drayton ab. Bei seinem bewegenden Schlussmonolog bekam ich eine Gänsehaut von der Präsenz und schlichten Echtheit, die in seinen Gesten und Aussagen lag. Das mag noch durch seinen eigenen herannahenden Tod (Tracy starb nur wenige Tage nach Drehschluss an Herzversagen) intensiviert worden sein, spielte er doch an der Seite seiner Geliebten Katherine Hepburn und so mag die Liebeserklärung Matts an seine Frau Christina auch ein letztes cineastisches Dokument der 26 Jahre währenden heimlichen Liebe Spencer Tracys zu Katherine Hepburn gewesen sein.
Die Handlung dieses Films ist schnell erzählt: Katherine Houghton (in der Rolle von Matt und Christina Draytons Tochter Joanna, meist Joey genannt) und Sidney Poitier (als hochbegabter Mediziner Dr. John Wade Prentice) spielen ein gemischtrassiges Liebespaar mit Heiratswunsch, was tatsächlich in den USA der 60er Jahre in etlichen Bundesstaaten noch ein Verbrechen gewesen ist. Möglicherweise wurde die innige Mutter-Tochter-Beziehung im Film auch noch dadurch verstärkt, dass Houghton, die hier ihr Kinodebüt gab, die Tochter von Hepburns jüngerer Schwester war. Da Hepburn nie eigene Kinder hatte, könnte dieses einmalige Zusammenspiel mit ihrem eigen Fleisch und Blut ihr einen zusätzlichen Schub der Inspiration vermittelt haben.
Im Laufe des Films werden in unterschiedlichen Konstellationen Gespräche über pro und contra der Beziehung geführt, bis sich das Ganze im schon erwähnten Schlussmonolog auflöst.
Fazit: Bis in die Nebenrollen passend und berührend besetztes filmisches Kammerspiel, das sich zu 80% im Haus der Draytons abspielt und so eine große innere Intensität gewinnt, die dem sehr gelungenen und trotz des Ernstes der Lage nicht an Dialogwitz sparenden Drehbuch zu verdanken ist. Ein auf leisen Sohlen daher kommender Klassiker, der gerade durch seine Sparsamkeit mit großem Pathos umso tiefer bewegt. Auch heute noch.