"Einige Bücher muss man nur kosten, andere verschlingen, einige wenige verdauen."
(Francis Bacon)
Seneca, Vorbild für Bacon, wählte die Briefform, um die Gedanken der Stoa ins breite Wissen zu tragen. Montaigne wie Bacon die Form von Essays (Essais), wobei Montaigne deutlich aus seiner privaten, subjektiven Sicht die Dinge beleuchtete, Bacon hingegen sich ausschließlich der Sache zuwandte und auf Resultate achtete. Seine Essays sind ein Meer knapper Sätze, er beherrscht das Formprinzip der Triade, er bildet nahezu ständig Sätze in Dreiergruppen.
So wie studieren (1) Spaß macht, (2) den Geist bildet und (3) die Fähigkeiten erhöht. Sie sehen, es geht einfach. Und so einfach ist dann auch das Verständnis der Leser, wenn sie hören, was dem Leben, dem Denken, dem Handeln zuträglich ist. Bacon ist ein Praktiker, keine hohen Sätze, sondern dem Volk aufs Maul geschaut, in die Seele gesehen und formuliert oder zitiert. Bacon wie sein besonderer Vorgänger Montaigne leben von deren beider Vorgänger, Römer und Griechen der Antike gaben beiden das Rüstzeug für deren kluge Gedanken. Die eigene Beschreibung rankt sich, wenn man so will, um manches Zitat, als wenn es in seiner Aussage veredelt werden müsse.
Bacon beginnt mit der Wahrheit, etwas, wonach Sokrates sein Leben lang suchte, was Pilatus nicht abwarten konnte und die die Menschen insgesamt im Wettstreit zu ihrer heimlichen Liebe, der Lüge betrachten. Es folgt das Essay über Herrschaft, das zum sicheren und verständnisvollen Umgang zwischen Menschen und deren Führung beiträgt. Bacon berichtet über Freundschaften, über Verhandlungen, deren größter Beitrag die eigene Persönlichkeit ist (Emerson griff dieses auf), vom Ehrgeiz, von der Schlauheit im Gegensatz zur Klugheit; eine sehr interessante Interpretation übrigens.
Vom Aufschub und dem Glück berichtet ein Essay, welches den Menschen rät, Dinge und Aufgaben zur rechten Zeit zu beginnen. Hier sehe ich Sallust als Pate, denn er sagte: Bevor man beginnt, bedarf es der Überlegung, und wenn man überlegt hat, rechtzeitiger Ausführung.
Wenn Gefahr drohe, solle man ihr entgegen gehen, denn dann begegnet man ihr nicht in der ganzen Wucht. So wie Hesse sinngemäß sagte, Dem Leben entgegentreten heißt die Hölle überwinden, so sieht auch Bacon in der Rechtzeitigkeit beste Position. So wie in der Schnelligkeit, denn die ist dienlich der besten Verheimlichung.
Die Beratung ist der größte Vertrauensbeweis zwischen Menschen. Hier werden nicht Teile des Lebens in fremde Hände gelegt, sondern alles wird mit dem Berater besprochen. Die Sage von Jupiter und Metis zeigt, wie mit dem Rat und der Weisheit umzugehen ist. Als besten Ratgeber nennt das Sprichwort die Toten, auch die Bücher, denn diese sprechen offen zu jeder Sache und erbleichen niemals.
Nun lässt sich jedes weitere Kapitel, Essay in gleicher Weise schmackhaft machen. Doch dieses ist nicht nötig, geben doch die ersten Zeilen Einblick genug. Über Reichtum in all seinen Facetten, von Heuchelei und Verstellung mögen sie gerne lesen, denn Bacon hält auch hier sachlich vernünftig das Handeln im Leben als Erzählung bereit, ob Sie den Spiegel darin entdecken, hängt allein von der Reflexion des Textes ab.
Interessant ist, dass es niemanden gibt, der das Essay nicht gelesen hat, in alten Tagen und heute noch in England. Gesagt wird, das es ein muss ist, aber auch, dass es einmal reiche.
Wie wahr, sage ich, ist es doch von unbestechlicher Klarheit. Und gibt damit sich selbst noch heute Recht. (siehe Überschrift)
Eine Empfehlung.
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