Die "Essais" (deutsch: Essays) des Michel de Montaigne sind eine überaus reichhaltige Fundgrube an Gedanken, Beobachtungen, gelehrten Betrachtungen, Kommentaren, autobiographisch gefärbten Erlebnissen und Interpretationen klassischer Autoren. Im Zentrum dieses Werkes steht der Mensch in seiner Widersprüchlichkeit. Aufgegriffen werden zahllose Fragen, die Sittlichkeit, Verhalten, Tugend und Laster betreffen. Montaigne vertritt eine gemäßigt skeptische Lebenshaltung und versucht, überkommene Vorstellungen und Dogmen im Lichte der Vernunft zu betrachten - wobei er sich bewusst ist, wie sehr der Mensch dazu neigt, eben diese Vernunft zu überschätzen. Die in einem mehr als 20-jährigen Prozess entstandene Essay-Sammlung hat keinen roten Faden oder eine erkennbare innere Struktur, erhält jedoch durch Montaignes sachliche und schnörkellose Sprache eine gewisse Einheitlichkeit. Geschrieben wurden die Texte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, während die Religionskriege zwischen Hugenotten und Katholiken tobten. Durch seine Essays wurde Montaigne zu einem der bedeutendsten Vertreter der französischen Renaissanceliteratur und zum Begründer der literarischen Gattung "Essay".