Der Erzähler und seine Freundin streiten sich und kommen wieder zusammen. Immer wieder, irgendwann aber dann doch nicht mehr. Es scheint, als sei das, was sie ungefähr vier Jahre zusammenhält, in allererster Linie, dass sie sich nicht haben können; will einer von beiden einen Schritt weiter gehen, blockt der andere ab.
Es gibt sehr romantische Stellen; der Erzähler nimmt seine Freundin mit nach Prag, der Stadt, in der er seine Kindheit verbracht hat, und in die seine Eltern wieder zurückgekehrt sind. Erzählt werden auch Situationen einer Freundschaft; die beiden ermahnen sich gegenseitig, nur einfache, direkte Wörter zu benutzen, und bestimmen, dass sie dem anderen ein Buch oder ein Stück Kleidung kaufen müssen, wenn sie davon abweichen. Fanatisch erscheinen jene beispielhaften Schilderungen idiotischer Streitgespräche zwischen den beiden: Anschuldigungen, Schleifen, Wortverdrehungen. Daneben stehen einige tragikomische Szenen, wie jene, in der der Autor sich zielsicher beim festlichen Essen im Kreise der Familie seiner Freundin in politische Abgründe begibt. Und absurd mutet es an, wenn der Erzähler heimlich dem künftigen Partner seiner Freundin durch die Stadt folgt, während dieser heimlich der Freundin auf ihrem Weg durch die Stadt folgt. Es fließen des öfteren Tränen auf Seiten des Erzählers. Die Ereignisse gegen Ende des Romans in der Türkei würde ich als krass bezeichnen.
Irgendwo stand mal die Frage, was wohl in ferner Zukunft ein besseres Zeugnis unserer Gegenwart abgegeben hätte ' dieser Roman oder das Gerichtsurteil, mit dem er verboten wurde. Sie finde ich berechtigt.
Mit am merkwürdigsten an dem Roman ist, wie sehr die Handlung in Geschehnisse der Zeitgeschichte verwoben ist. Die extrem nüchterne Sprache, die große Distanz zum Erzählten wahrt und gleichzeitig das Bewusstsein über die eigene Lächerlichkeit ständig aufrechterhält, der nicht chronologische Aufbau der Ereignisse, bei dem immer wieder durch Andeutungen neue Themen angerissen und dann allmählich ausgebreitet werden, lesen sich großartig. Manchmal erscheint die Erzählung wie ein stumpfer Bericht, weniger Stilmittel verwendend als jede journalistische Dokumentation, und dann ist es erstaunlich, wie viel Poesie nackte Ereignisse enthalten können.