Auf 200 Seiten führt dies kleine Bändchen durch beinah sämtliche Aspekte des männlichen Erscheinungsbildes: Bekleidung, Accessoires, Haarpflege, Garderobenaufbau usw.. Trotz knappem Raum werden im Schwerpunkt Bekleidung auch die zentralen Paradigmen kurz in historischer Entwicklung vorgeführt, an Beispielen und prägnanten Vorbildern festgemacht; beschränkt natürlich auf: westliche Welt, mainstreams, 20. Jhdt.
Der Duktus ist stilsicher beratend, mit kameradschaftlich-ironischem Ton, gut dosiertem Respekt vor Aspketen der Individualität und Wirtschaftlichkeit. Eine urenglische Tugend kommt zur vollen Entfaltung: (zwinkernder) Pragmatismus, auf allen Ebenen, auch der (expliziten) Darstellung: Text, Illustrationen etc. ziemlich perfekt aufeinander abgestimmt und kondensiert, der Band hat "Charme" - und wirkt an keiner Stelle aufgedunsen oder weggetreten (etwa: in Stilverliebtheit, Markenwerbung, Prominentenkult, Luxusallüren o.a.).
Im Subtext dagegen kann derselbe Pragmatismus durchaus abschreckend wirken, zumal - wie hier - in deutlich amerikanischer Prägung. Zur Stilberatung gehört eben auch: wann (in welcher Umgebung) man was auf welche Weise trägt; und mit jedem persönlichen Auftritt geht einher: ein Akt kategorischer, gesellschaftlicher Selbstdefinition. Beide Themen läßt der Band nicht aus, und die horizontfreie Sozialtypologie macht selbst vor Christus nicht halt ("the ultimate counterculture guy"). Hier wohl die deutlichste euro-amerikanische Kluft in (bürgerlichen) Selbstdarstellungsfragen: während sich die amerikanische Geste gern im Akt der Selbstdefinition erschöpft, gehört es bei Europäern zum guten Ton: NICHT genau zu wissen wer man ist (und was man gerade tut).
Auch die konkreten, durchtypisierten Geschäfts-/Freizeitriten der amerikanischen middle/upper-class (zwischen boardroom und barbecue) sind als Umgebungsmodelle nicht unbedingt verlockend.
Trotzdem kann der Band kulturstiftend wirken und sei daher empfohlen; Kapitel "Garderobe" macht in Dollar deutlich: ein Bruchteil dessen, was der klassische Deutsche ohne Wimperzucken für Firlefanz im Automobilbereich aufwendet, reicht für den Start in ein visuell erfreulicheres, persönliches Auftreten.
Die Gegenindikation folgt aus der Zielrichtung des Bandes; es handelt sich um reine Anwendungsberatung - im Sinn einer praktischen "how-to"-Stilkunde für visuell desorientierte Angehörige westlich ausgerichteter Industriegesellschaften. Wenig bis nichts erfährt man über Mode, Gestaltung, Handwerk, Theorie und Geschichte von Bekleidung. Wer sich in gern in weiblicher, vorindustrieller oder kultivierter Gesellschaft bewegt, bereits eigenen Geschmack entwickelt hat, eine Ausbildung im ästhetischen Bereich verfügt oder für Hintergründe interessiert wird Bücher wie diese kaum brauchen (und folgerichtig etwa in französischer Sprache kaum finden).