Zum Thema
Der Mensch mag sich nicht damit abfinden, daß sein Gedächtnis unvollkommen ist. Er greift deshalb zu künstlichen Mitteln, um seiner natürlichen Schwäche zu begegnen. So entstehen neue Gewohnheiten. Die Welt erscheint ihm in neuem Lichte. Bald ist er nicht mehr der Mensch, der alles verstehen will, sondern der Esel, der sich alles merken möchte.
Wenn Esel nun mit System und Intelligenz daran gehen, für alle möglichen Zwecke geeignete Krücken und Brücken herzurichten und vorzubereiten, entsteht Mnemotechnik.
Zum Buch
Mnemotechnik wird von Grund auf erklärt und entwickelt, geschichtlich dargestellt und philosophisch durchleuchtet. Im Zentrum steht dabei die Struktur der Brücke. Esels Brücke! Sie hat zwei Pfeiler und eine Wölbung. So einfach. Und so grundlegend.
Philosophen, die sich intensiver, sei es auch nur indirekt, mit dieser Struktur beschäftigt haben, sollen zur Sprache kommen. Unversehens finden sie sich in ein wechselseitiges Gespräch verwickelt: Aristoteles zuerst, dann Thomas von Aquin und Giordano Bruno, Francis Bacon, Descartes, Leibniz und David Hume, Kant und Hegel, Edmund Husserl, Wittgenstein und Norman Malcolm.
Die Verbindung von Brücken nennt der Autor Assoziation oder vielmehr Esels Assoziation.Eine spannungsreiche und weit ausgefächerte Sammlung verschiedener Formen wird vor dem Leser ausgebreitet.
Jener Pfeiler der Brücke, auf dem nun das ganze Gewicht ruhen soll, ist entweder ein Bild oder ein Ort oder ein Wort oder eine Farbe oder wer weiß, was. Der Autor möchte am liebsten, daß er eine Geschichte sei. Er geht der Sache auf den Grund und fragt nach den Bedingungen, denen eine mnemotechnische Geschichte genügen sollte, damit sie auch gut funktioniert. "Angenommen, Rotkäppchen sei eine mnemotechnische Geschichte..." Das 17. Jahrhundert mit seiner barocken Freude am wunderlustigen Fabulieren rückt unvermutet in den Mittelpunkt des Interesses und schon wird das Programm einer neuen Mnemotechnik sichtbar. Die Sache wird hier konkret. Wie merkt sich der Mnemotechniker französische Genusregeln? Wie merkt er sich Zahlen? Verschiedene Methoden werden nebeneinander gestellt und gegeneinander abgewogen. Am Ende wird eine hervorgehoben, und es wird vorgeführt, wie man sich damit 2000 Stellen der Zahl pi merken könnte.
Simon Waßermann hat das Buch mit Zeichnungen versehen.
Zum Verlag
Als Verlag für Mnemotechnik stellt der Likanas Verlag GmbH in Hamburg eine Neuheit dar. Mit Esels Welt versucht er, weiteren innovativen Arbeiten den Weg zu bereiten. Meines Wissens gab es zuletzt im 17. Jahrhundert vergleichbare Verlage. Sie trugen übermütige Namen wie In Montibus Lunae oder In dem Parnassus. Aber auch wir leben in lustigen Zeiten!