Verbrechen, zumal in dem Ausmaß des kolumbianischen Medellin-Kartells muss faszinieren. Milliarden Dollar, tonnenweise Koks: Ein Stoff für Dutzende Krimis und Milieugeschichten. Die Autoren haben auch ordentlich Material zusammengetragen. Vor allem ungewöhnliche Fotos sind mir im Gedächtnis geblieben. Nicht nur zahlreiche, reichlich morbide Polizeifotos, sondern auch die Escobar-Truppe in 80er-Jahre-Nylon-Turnhosen und geschmacklosen Hawaii-Hemden. Waren das doch alles nur Bauern, die in einer Welt der Gewalt zufällig Glück hatten?
Leider bleiben viele Fragen, die man sich so stellt, unbeantwortet. Es werden Aussagen in den Raum gestellt (immer korrekt mit dem Hinweis, dass sie nur aus einer bestimmten Perspektive berichten), es werden einzelne Ereignisse der brutalen Geschichte sehr detailliert aufgearbeitet. Aber der große, von innen heraus erzählte Überblick entstand bei meiner Lektüre nicht. Wie es sich nun "angefühlt" haben könnte, in den verschiedenen Rolle gesteckt zu haben (Dorgenchef, Gehilfe, US-Agent, Pilot, Politiker, Polizeichef...): Erzählerisch und sprachlich bin ich schon enttäuscht, obwohl die Autoren ja wie gesagt offenbar hüfttief in entsprechenden Quellen gestanden haben. Schade eigentlich.