Eschenbach genießt in der Fachwelt nicht unbedingt den Ruf eines Spitzenherstellers, zuviele Ferngläser werden in dem Einsteiger-Segment angesiedelt.
Das geschieht zu Unrecht, denn mit den wenigen Modellen der Farlux-Baureihe hat man zu tun mit Ferngläsern, die sich vor den traditionsreichen deutschen Herstellern wie Zeiss, Carl-Zeiss Jena, Leica, Steiner oder Optolyth nicht verstecken müssen und durchaus in vieler Hinsicht auf gleiche Augenhöhe messen können. Das sagt nicht nur ich, sondern die qualifizierten Tester von allbinos und zahlreiche Insider in den Internet-Foren.
Dieses Fernglas belegt Platz 3 der 44-45mm hinter dem Kowa Genesis XD44 und Steiner Nighthunter 8x44 XP, kostet allerdings nur die Hälfte oder gar weniger.
Ich bin von den Farlux-Ferngläser so überzeugt, dass ich mir - mit Ausnahme des Zoom-Fernglases - alle Farlux im Laufe der Jahre zugelegt habe, auch 35 Jahre alte für die es keine Ersatzteile mehr gibt, und bedauere dies keineswegs. Und damit man nicht glaubt, das ich nur für Eschenbach arbeite oder schwärme, füge ich hinzu, dass ich auch noch 6 Zeiss Victory, 4 Swarovski, 2 Leica, 9 Nikon, 5 Canon IS, 6 Steiner und unzähligen Exoten in meiner Sammlung aufgenommen habe. Ich arbeite nicht in der Branche und besitze keiner Anteile an irgendeine Optik-Firma. Nachdem dies klargestellt wird, kommen wir zur Beurteilung:
Was spricht für dieses Fernglas ?
Zuerst eine Gesamt-Lichttransmission von 91 +/- 3, also höher als das Nikon EDG, und die dadurch resultierende Helligkeit, auch in der Dämmerung,
dann geringe geometrische Verzerrungen, die erst ab rd. 65 % vom Radius sanft auftreten
die knackige Schärfe, die großzügige Schärfentiefe,
eine perfekte Kollimation, nur einer leichten Abnahme der Helligkeit am Rande des Sichtfeldes,
eine sehr minimale Farbverschiebung (in Richtung gelb),
gut funktionierenden Augenmuscheln und griffiges Fokussierrad mit 470 Grad Gesamtumfang,
ein komfortablen Einblickverhalten, die Naheinstellung ab 1,85 m,
etc. etc.
das Ganze in einer soliden Konstruktion mit sauberen Fertigung verpackt,
ein vernünftig gepolsterten Trageriemen und Tragetasche.
In Kurzform, das Fernglas ist nirgendwo Weltspitze aber durchgehend gut oder sehr gut, teilweise hervorragend und kostet nur einen Bruchteil der Spitzen-Mitbewerber.
Was spricht dagegen ?
Nun, zuerst die leichte Schwäche der Optik im Randbereich des Sehfeldes, was nicht ernsthaft störend ist, dann die mögliche Erscheinung von Störschatten wenn die Pupillen nicht genau in der optischen Axe liegen, was eine kleine Eingewöhnungszeit erfordert, und vielleicht das Sehfeld von 117 / 1000m, was nicht unbedingt üppig, aber i.O. ist.
Mir gefallen ausserdem die 2 überflüssigen "Chromstangen" auf der Oberseite und die silber lackierten Okulartuben überhaupt nicht (sieht aus wie Heizungsröhre). Ich bin für schlichte Funktionalität.
Als Objektivkappen habe ich welche von Zeiss montieren müssen (die 42mm passen).
Der Trageriemen ist elastisch aber eigentlich etwas zu kurz.
FAZIT
Gute Gummiverkleidung, etwas glatt aber sehr hochwertig, wunderbare Mechanischen Eigenschaften (alles läuft noch besser als beim teuersten Zeiss), knackige Schärfe, hohe Helligkeit, komfortablen Einblick lassen schnell die kleinen Schwächen als unbeudeutend erscheinen. Der verspielte, mislungene Design ist allerdings für mich schwerer verdaulich.
Wer dieses Glas benutzt dürfte, abgesehen vom schmallen Sehfeld, kein anderes vermissen, auch welche, die das Doppelte kosten.
Mein Geheimtipp in der 42-45mm-Klasse !
Ach ja, Stickstoff-Füllung, Wasserdichtichtigkeit, Phasenkorrektur, volle Multivergütung sind selbstverständlich dabei, eine schöne schwarz-matt-Holzkiste auch.
Irgendwie läßt der Preis dieses Fernglases die Vermutung zu, dass es aus China stammen könnte. Nirgendwo steht "made in Germany". Aber Nichts, absolut Nichts der üblichen Merkmale wie wackelige Okulare, Dreck in der Optik, unsaubere Kollimation, Fettsaug- und Schleifgeräusche, schiefe Nähten, Ausgefranztes Textil usw. kann ich entdecken, nur absolut saubere Verarbeitung !