Die Entscheidung, "Escapee" auszuleihen ist wohl darin begründet, dass Dominic Purcell die Hauptrolle spielt. In Prison Break und ein paar Kinofilmen hat er seine Sache meiner Meinung nach sehr gut gemacht, zumal seine Charaktäre meist schwer zu spielen sind. Nach der Beschreibung hätte ich jedoch vielmehr einen Psychothriller erwartet. "Escapee" entpuppt sich jedoch schon nach wenigen Minuten als simpel gestrickter Horrorfilm im B-Movie-Gewand und mit C-Movie-Charme.
Zunächst zurück zum Anfang: Dominic Purcell macht seine Sache nicht schlecht, ohne jedoch mehr aus seiner Figur rauszuholen, als das Drehbuch hergibt. Die Story ist aber im Detail derart weltfremd, dass einem die Worte fehlen. Besessen von seiner Obsession für die schöne Abby bricht er aus der Klinik aus, um sein neues Opfer in Besitz zu nehmen. Dass man dafür nur zwei Wärter außer Gefecht setzen und eine KeyCard mopsen muss, ist selbst mit dem Personalmangel im amerikanischen Gesundheitssystem kaum zu erklären. Aber gut. Gemessen an seiner Besessenheit legt er auf dem Weg auffällig viele unnötige Zwischenstops ein und mordet hier und da ein bisschen rum. Sein Einlieferungsgrund in die Klinik war ein Mord aus Rache - in den ersten Stunden nach seinem Ausbruch vervielfacht er seine Quote, indem er ein paar Personen um die Ecke bringt, die er noch nie gesehen hat. Seine Therapiestunden müssen ja interessant gewesen sein...
Zum Glück für den Film handeln die übrigen Personen kaum nachvollziehbarer. Natürlich wird der besten Freundin, zum Signal, dass man hinter ihr steht, auf die Schulter geklopft. Auch dann noch, wenn ein polizeilich bekannter Killer auf dem Weg ist. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, das Standardmotto von Mädels in dem Alter. Also lieber mal anstupsen und sich wundern, dass diejenige vor Schreck fast umkippt. Und der Regisseur hat wieder einen "Schockmoment" in den 93 Minuten untergebracht. Chapeau!
Es ist wirklich schade um den Film. Ich schrieb ja eingangs, dass ich nicht unbedingt mit einem Horrorfilm gerechnet habe. Ich schaue Horrorfilme auch eher selten und umso beachtlicher ist die Tatsache, dass selbst ich nie erschrocken oder überrascht war. Für Genrefans werden das sicher verdammt lange einundhalb Stunden. Immerhin hab ich schon Filme ab 18 gesehen, die unblutiger waren, aber das ist ja auch kein Maßstab für die Qualität eines Films.
Das Bonusmaterial ist mit einem etwa 8-minütigen Making-Of und drei kurzen Einspielern von Regisseur, Hauptdarsteller und Drehort auch recht überschaubar. Dazu gibts noch die englische Tonspur zum Film, Untertitel sucht man vergebens. Zwei Sterne von mir, die auf das Konto der Schauspieler gehen.