Jedes Kind kennt das unsterbliche Nonsensgedicht, das anfängt mit "Es war einmal ein Mann..."
James Krüss, der Meister der lustigen Reime, hat aus dem altbekannten Gedicht eine Geschichte mit Happy End gemacht und Jacky Gleich hat diese herrlich komisch illustriert.
Der Mann, Dirigent von Beruf, der mit Zahnweh ruhelos durch die Welt irrt, findet am Ende sein häusliches Glück in der Ehe mit einer Zahnärztin. Die künftige Gemahlin geistert übrigens die ganze Zeit mit durch das Buch, was man aber erst am Schluß der Geschichte merkt. Daraufhin liest man das Ganze gleich noch einmal und entdeckt beim mehrmaligen Lesen viele neue witzige Details und seltsame Menschen und Tiere.
Die Zeichnungen sind leicht krakelig und schön bunt. Sie haben dadurch etwas liebevoll Handgemachtes an sich. Das Buch ist kernig und lebendig und vermeidet konsequent jede Süßlichkeit.
Ich mag den teilweise schwarzen Humor in den Bildern. Die Menschen sind dort treffend witzig dargestellt. Es gibt den bebrillten Dirigenten im Frack mit zerzaustem Haar, Dicke und Dürre, Kahle und welche mit vorstehenden Zähnen. Auch die Tiere, die zwischendurch vorkommen sind nicht niedlich. Da werden vier blöd dreinschauende Frösche plattgetreten, der Hund pinkelt an einen Topfbaum. Ein Ziegenbock nimmt unseren Mann auf die Hörner. Sogar Berge und Bäume sind wunderbar vereinfacht und karikiert dargestellt.
Schräge Perspektiven und gelungene Übergänge machen mir das Buch zu einem abwechslungsreichen optischen Vergnügen. Das ist mir nicht nur aus pädagogischen Gründen sondern auch aus purem Egoismus wichtig. Ich muß so ein Bilderbuch den Kindern nämlich wieder und wieder vorlesen. Deshalb muß es auch für mich lange interessant bleiben, und wenn es so gut gereimt ist, wie dieses, regt es die Kinder dann wie von selbst zum Lesenlernen und Gedichtevortragen an.