David Selig, ein jüdischer Student in New York in den 70ern, kann Gedanken lesen, und er erzählt in diesem Büchlein kurz sein Leben. Wirklich reich ist er mit seiner Fähigkeit noch nicht geworden, obwohl er sich gelegentlich beim Spaziergang an der Wall Street per Telepathie interessante Insidertipps besorgt. Doch er ist kein einfacher Typ, sondern schwelgt eher in Selbstmitleid und ausführlich in erotischen Erlebnissen seiner Vergangenheit. Drogen, Vietnam und jüdisches Selbstbewusstsein bilden den Hintergrund.
Die sexuellen Eskapaden sind der eigentliche Reiz des Buches. Wie lebt es sich, wenn man weiß, was Frauen denken, wie ist der Sex, wie der Höhepunkt, wenn man nach Belieben von sich aus in den Gegenüber umschalten kann? Solche Dinge erfährt man hier, aber auch den normalen Umgang mit der Gabe im Alltag hat Silverberg sehr gelungen beschrieben. Die Geschichte, die mit 160 Seiten gar nicht so lang ist, fasziniert durchgehend bis zu einem überzeugenden Ende. Ich fand ich es insgesamt ganz gewitzt gemacht. Nur ein paar antike Literaturaufsätze habe ich übersprungen, die waren mir ein wenig zu intellektuell, und sie sind für die Handlung auch nicht wirklich wichtig :-)