Es sind die existenziellen Fragen, die Polleke umtreiben und auch Eingang in ihre Gedichte finden: Was soll man auf der Welt? Und auch die Frage nach Gott und dem Glauben taucht immer wieder auf, obwohl Polleke anfangs gleich klar stellt: "Ich habe keinen Glauben". Und dann erkennt sie, dass Gott - weil er überall und nirgends wohnt - im Grunde obdachlos ist. - Wie ihr Vater Spiek. Der macht ihr Sorgen. Nicht nur, dass er sich bei einem Besuch bei Polleke und ihrer Mutter mal eben etwas Geld "leiht", ohne jemanden zu fragen, sondern auch, dass er sich eben genau diese Frage stellt: Was soll man auf der Welt? Eine Antwort darauf scheint er auch im Alkohol zu suchen, von dem er viel zu viel trinkt. Pollekes Freund Mimun rät ihr, dass sie ihrem Vater sagen muss, dass er einen Entzug machen soll. Und der Leser "hört" Pollekes Gedanken: "Ich antwortete nicht, denn was kann man schon sagen, wenn jemand so schrecklich Recht hat?"
Und als ob das alles nicht schon kompliziert genug wäre, soll Mimun auch noch ein Mädchen aus seiner Heimat Marokko heiraten (obwohl er hier eigentlich mit Polleke geht) und ihre Mutter hat sich ausgerechnet Pollekes Lehrer als neuen Freund ausgesucht. Der größte Hammer kommt aber dann, als Pollekes Vater sich zum Entzug bereit erklärt - aber unter der Bedingung, dass sie mitkommt.
Und so fließen die Worte nur so aus ihr heraus, beim Beten bei Oma und Opa: "Vielleicht musst du das Leben mal ein bisschen weniger kompliziert machen. Und die Liebe auch." Oma und Opa sind für Polleke dabei auch so ein bisschen was wie die Verbindung zu Gott. Sympathisch ist dabei, dass aber auch ihre Oma manchmal zweifelnd nach der Existenz dieses Gottes fragt, während der Opa dann oft die Rolle hat, das Vertrauen auf Gott zu stärken.
"Es gefällt mir auf der Welt" ist eins von mehreren Büchern einer "Polleke-Reihe" von Guus Kuijer.
Den Schreibstil fand ich ein wenig eigen; ich hatte anfangs Probleme, mich darin einzufinden, aber wenn das erst einmal gelungen ist, geht es. Die Sätze sind sehr kurz gehalten, fast ein wenig im Staccato-Stil. Die Lebenswelt einer 11-Jährigen scheint mir gut erfasst. Das Buch ist ab 10 Jahren empfohlen, das halte ich für zutreffend, eventuell könnten auch schon reife Drittklässler gut damit zurechtkommen.
Fazit: Sehr viel (Lebens-) Wahrheit einfach verpackt, Probleme werden nicht einfach "schöngeschrieben" und trotzdem ein Buch voller Hoffnung. Nebenbei auch noch interessante philosophische Momente zum Thema Glauben und Gebet.