Zum ersten Mal veröffentlicht Olli Schulz ohne seinen Hund Marie einen Tonträger, der sehr erwachsen erscheint.
Der Opener "Ab jetzt tut's nur noch weh" rumpelt mit abgehacktem Klavier, dumpfem Stampf-Bassdrum und Entrüstung im Bauch gegen eine kaltblütige Realität "Die Guten, die bluten, weil die Schlechten sie knechten und der Rest stirbt langsam aus". Mit hoffnungsvoller Stimme und Klavierakzenten bringt Olli Schulz im bass-bestimmten Titel "So Lang Einsam" als Ratgeber die Textzeilen: "Du bist so lange einsam, bis du lernst allein zu sein...". Auch im Song "All You Can Eat" geht der Wahlberliner sehr direkt und politsch vor. Zu vereinzelten Gitarren-Tönen, einer milden Bass-Linie und klar-definiertem Drum-Beat singt er deutlich "All you can eat, all you can eat - klingt schon ziemlich bitter, wenn es nichts zu fressen gibt...".
Durch diese Titel formt sich im Kopf das Bild eines Musikers, der mit seinen Texten politisch und realitätsnah auf derzeitig herrschende Missstände aufmerksam machen will. Dass er auch Persönlich-Privates verarbeitet, beweisen sein packendes Liebes-Drama "Wie Sie" oder sein rein akustischer Beitrag über Freundschaft "Bloß Freunde". In diesen Stücken setzt er sehr viel Gefühl in die Stimme und auch die Begleit-Musik wird treffend der jeweiligen Stimmung angepasst: mal dramatisch mit Drum und Klavier bestückt, oder ganz akustisch nur mit der Konzertgitarre.
Das seriöse Bild bricht Schulz jedoch überraschend mit "Mach' den Bibo , mach' das UFO, mach' den Grobi, mach' uh-uh-uh", dem Stück, das er auch beim Bundesvision Songcontest performte. Der Bibo-Song ähnelt einem Ballermann-Hit und verpasst dem Zuhörer einen unerwarteten Schlag, der die bisherige Stimmung sprengt. Letzlich gesellt sich also doch noch Klamauk zum Ernsthaften und Gefühlvollen.
Abgesehen von dem Bibo-Ausrutscher verfolgt das Album eine gerade Linie. Die Stücke klingen erwachsener und durchdachter als noch auf den poppigen Vorgängern mit Kollegen Max Schröder (der Hund Marie). Er mimt den glaubwürdigen Entwicklungs-Erzähler, der uns weise Lebenshilfen geben möchte. Vom einst träumerischen, albernden Gitarrenjungen ist "Es brennt so schön" somit weit entfernt.
Sebastian Wiczak
Olli Schulz ist erwachsen geworden. Das zeigt ein Buch über seine Erfahrungen als Bühnenarbeiter, vollgestopft mit Schwänken, die er auf Konzerten auch gerne mal der giggelden Fangemeinde erzählt. Musikalisch gibt er sich gewohnt schnoddrig und emotional in Textzeilen wie "Man ist nur so lange einsam, bis man lernt, allein zu sein" oder "Wir können ewig weiterleben, als würde es kein Morgen geben." Wer aber glaubt, das erste Soloalbum des Wahlberliners würde nur Einmannsongs mit Klampfe beinhalten, liegt falsch. Olli Schulz holt sich Gastmusiker wie Bernd Begemann oder Gisbert zu Knyphausen ins Boot, und Home Of The Lame begleiten ihn auch auf Tour. Dass hinter der erwachsenen Hülle aber doch noch eine ordentliche Portion kindliche Dumpfsinnsfreude steckt, zeigt Schulz eindrucksvoll mit "Mach den Bibo", einem herrlich sinnbefreiten Song, der schnurstracks zum Kult werden dürfte. (es)