Ernst Schultz und Bob Dylan - dass dies eine gute Verbindung ist, bewies der Ex-Ihre-Kinder-Kopf bereits mit "Meister der Angst", das er vor Jahren intonierte. Auch auf den "Zeiten" ist jetzt dieses Dylan-Highlight, allerdings in anderer Fassung. Nach mehrmaligem Hören bin ich begeistert. Manchmal hatte ich das Gefühl, den "Meister" persönlich auf deutsch singen zu hören, so stark lehnt sich Schultz stimmlich an Dylan an, dann wieder ist es Ernst Schultz, der unverkennbar den bekannten Songs aus USA seinen Stempel aufdrückt. Manchmal klingt er fast ein bisschen zu sehr nach dem näselnden, nuschelnden Immer-Noch-auf-den-Literaturpreis-Warter Bob Dylan, dann setzt er wieder der Interpretation Krönchen auf und lässt die altbekannten Songs nicht nur in anderer Sprache, sondern auch in leicht anderer Fassung erklingen. "All Along The Watchtower" beispielsweise gerät gar zum Miniatur-Singtheater. Dass die Zeiten sich ändern und vor allem auch die Interpretation dieses Liedes, ist oft genug gehört worden. Hier setzt Schultz auf eine gewöhnungsbedürtige langsame Version, die fast schon ins Langatmige abzutrudeln droht, dann rettet aber die intelligente deutsche Textfassung wieder ins Urlied zurück. Einige sehr schöne Perlen sind dabei, einige ganz wenige Ausrutscher, aber die sind selbst dem Meister passiert. Insgesamt eine gelungene Symbiose aus Dylan und Schultz - und das ist wohl mehr als nur eine Anerkennung...