"Erziehungsprobleme beim Hund" gehört für mich zu den besten, derzeit auf dem Markt erhältlichen Büchern, die detailliert und Schritt für Schritt den Umgang insbesondere auch (!) mit Hilfsmitteln wie Halti, Discs etc. erklären -und deren sinnvollen Einbau in aufeinanderaufbauende "kleine" Trainingseinheiten.
Das Buch ist umfassend, dabei aber leicht verständlich geschrieben, wobei die Autorinnen auch nicht verschweigen, daß so einige (käuflich zu erwerbende) Hilfsmittel durchaus fragwürdig sind (z.B."Anti-Bell-Halsband") und Hilfsmittel das sind, was sie sind: Hilfsmittel, die ein Training unterstützen, aber deswegen nicht ersetzen. Dementsprechend wird an den erforderlichen Stellen ebenso daraufhingewiesen, für welchen "Hunde-Charakter" ein konkretes "Hilfsmittel" nicht zu empfehlen ist und welche Alternative es geben könnte.
Als ebenso positiv bewerte ich auch den "selbstverständlichen" Einsatz eines Maulkorbes, sofern von dem Hund eine Gefahr für Mensch und Tier ausgeht. Ohne ausuferndes Gerede darüber, ob ein Maulkorb die Mimik eines Hundes beeinträchtigt oder nicht, wird inzidenter eine klare Position bezogen für die Sicherheit anderer. Eine Selbstverständlichkeit, die so mancher Hundebesitzer und Hundetrainer infolge des Hypes um die positive Verstärkung, das "richtige Lernverhalten" des Hundes und aus dem Umkehrschluß der sog. "Listenhunde-Diskussion" anscheindend vergessen hat.
Es ist ein Buch der Praxis und den häufigsten Problemen, mit denen sich der eine oder andere Hundehalter konfrontiert sieht: Von der Trennungsangst über Zerstörungswut, jagdambitionierten Hunden bis zu Leinenpöblern. Und als praxisorientiertes Buch ist es auch gedacht: Es ist in erster Linie ein praktisches Buch. Angefangen bei der Schadensminimierung (Wohnung in Trümmern, Vermieter und Mit-Mieter beschweren sich wegen Dauer-Gebells, die Nachbarn machen einen Bogen um die böse "Bestie" - und um den Hundebesitzer daraus folgend) bis zur weiterführenden Lösung des ursächlichen Problems.
Ein intensives Training ersetzen kann dieses Buch natürlich nicht. Aber fernab von allem theoretischen Geschwafel, wird sich hier tatsächlich mit den alltäglichen Problemen auseinandergesetzt, die ein nicht so "netter" Hund Tag für Tag mit sich bringt oder bringen kann.