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Erziehung zur Mündigkeit: Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959 bis 1969
 
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Erziehung zur Mündigkeit: Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959 bis 1969 [Taschenbuch]

Theodor W. Adorno , Gerd Kadelbach
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Erziehung zur Mündigkeit sammelt Vorträge und Gespräche, die von 1959 bis 1969 im Hessischen Rundfunk gesendet wurden. Sie zeigen einen "anderen" Adorno als die meisten seiner Bücher: er wirkt unmittelbare kommunikativer, verständlicher; er leitet den Leser - wie einst den Hörer zum Mitdenken und schließlich zum Selbstdenken an.

Über den Autor

Theodor W. Adorno wurde am 11. September 1903 in Frankfurt am Main geboren und starb am 06. August 1969 während eines Ferienaufenthalts in Visp/Wallis an den Folgen eines Herzinfarkts. Von 1921 bis 1923 studierte er in Frankfurt Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musikwissenschaft und promovierte 1924 über Die Transzendenz des Dinglichen und Noematischen in Husserls Phänomenologie. Bereits während seiner Schulzeit schloss er Freundschaft mit Siegfried Kracauer und während seines Studiums mit Max Horkheimer und Walter Benjamin. Mit ihnen zählt Adorno zu den wichtigsten Vertretern der „Frankfurter Schule“, die aus dem Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt hervorging. Sämtliche Werke Adornos sind im Suhrkamp Verlag erschienen.


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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Theodor W. Adorno, Gerd Kadelbach (Hg.)
Erziehung zur Mündigkeit
Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959- 1969
Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 1971, 147 S., (ISBN: 3518365118),
"Es war ihm wichtig, daß man ihn recht verstand..." so Gerd Kadelbach über den weitbekannten Professor für Philosophie und Soziologie Theodor W. Adorno, der am 11.09. 1903 in Frankfut a. M. geboren wurde.
Er sagte dies in Zusammenhang mit den Gesprächen und frei gehaltenen Vorträgen Adornos mit Hellmut Becker, welche in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk entstanden sind und unter anderem im "Abendstudio" mit Lotte Lenya und einigen kritischen Hörern ausführlich diskutiert wurden.
"Erziehung zur Mündigkeit" gibt jene Vorträge und Gespräche wieder, welche vorher auf Tonband fixiert waren und so mit den Worten Adornos:"...ein Symptom jener Verhaltensweisen der verwalteten Welt ist....,das seine Wahrheit an der eigenen Vergänglichkeit hat, festnagelt, um die Redenden darauf zu vereidigen..."
Die Reihe der Vorträge und Gespräche finden mit dem plötzlichen Tod Adornos am 06. August 1969 in Wisp( Wallis, Schweiz)ein jähes Ende.

Dem vorliegenden Buch liegen acht zeitlich gegliederte Themen (1959- 1969) zu Grunde, die brisante Kernfragen philosophisch beleuchten und verblüffend nah am Puls der heutigen Zeit liegen. Das Buch verkündet eine zentrale Botschaft die sich indirekt in den Gesprächen wieder findet. Einleitend geht es um die Frage:" Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit?" Es wird die Bedeutung einer abgeschlossenen Aufarbeitung der Folgen des Nationalsozialismus und dessen Hinterlassenschaft, auf unsere heutige Gesellschaft diskutiert.
Wie wird in unserer gegenwärtigen, demokratischen Gesellschaft Verarbeitung definiert? Ist es eine Form der Verdrängung, die erfolgreich angewandt wurde und auch noch wird, um unangenehmen Fragen auszuweichen? Der Holocaust wird als ebensolche "unangenehme" Sache verurteilt und sollte vielmehr von der Basis ausgehend und in seinen individuellen Ursachen erkannt werden. Nicht entschuldigt werden kann an dieser Stelle die verkannte Position einer lückenlosen, ausführlichen Erziehung. Einer Erziehung nach Auschwitz! Angefangen bei der Ent-nazifizierung der Hochschulen, weiterführend auf ALLE für die menschliche Entwicklung relevanten und einflussnehmenden Faktoren, wie auch z.B. der Medien. Wie verarbeitet der Mensch innerhalb von allgemeinen, festgefahrenen, gesellschaftlichen Strukturen?
Hauptanliegen dieses Buches ist vor allem die Erziehung. Die Forderung und der Wunsch bewußte Erziehung durchzuführen, die auch das "unbewußte" berücksichtigt. Das könnte nach Adorno bedeuten: 1. das zugänglich machen potentieller Gefahren die vom Individuum selbst ausgehen. Und 2. die Kraft das ÜBER-ICH durch "Reflexion, Selbstbestimmung und Nicht-mitmachen"aufzubringen. Dies ist kein Patentrezept, kann eventl. ein Ansatz sein, um ein zweites Auschwitz unmöglich zu machen. Mit Adornos Worten: " Eine Erziehung zur Mündigkeit!"

Dieser Anspruch an alle uns folgenden und schon existenten Generationen von Eltern, Großeltern, Kindern, Lehrern, Schülern, also all jenen, die immer und immer wieder Erfahrungen und Verantwortung durch Erziehung weitertragen, sollte dieses Buch die Zeit wert sein, sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Es ist sicherlich keine "leichte" Lektüre, dennoch lohnt sich die Mühe, schon deshalb, weil es auch Spaß macht, Adornos imposanten und durchaus logischen Wortspielen zu folgen.
Susanne Diester

Magdeburg, im Oktober 2001

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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Heute (wieder) wichtig 9. August 2002
Format:Taschenbuch
Den Texten meiner Vorrezensenten ist wenig hinzuzufügen. Das Buch ist nicht einfach geschrieben. Will man Adorno verstehen, dann liest man an dem dünnen Bändchen verhältnismäßig lange.
Noch länger ist man aber nachdenklich. Heute - in der Zeit von Skandalen und Vertrauenskrisen der Politik - ist Adorno aktueller den je. Ich habe mich in meiner Verantwortung für meine unmittelbare Umgebung bestätigt gefühlt.
Ich empfehle das Buch jedem. Besonders Eltern.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Titel: Erziehung zur Mündigkeit Autor: Theodor W. Adorno Verlag: Suhrkamp Verlag Frankfurt

Das Buch, ein besonderer Beitrag für die poltische Bildung der BRD in den Nachkriegsjahren. Die Demokratie, sie leidet an einem unterentwickelten Zustand. Die Menschen in der noch jungen Bundesrepublik begreifen sich nicht als Subjekte innerhalb von politischen Prozessen. Viele identifizieren sich immer noch mit dem Bestehenden, leiden an Mangel autonomer Subjektivität und verspüren Ohnmacht gegenüber gesellschaftlichen Dis-Verhältnissen. Umerziehung und Entnazifizierung finden nur träge Zugang zur Öffentlichkeit und ziehen sich über Jahrzehnte hin. 1959 gab es in dem noch jungen Deutschland erneute rechtsgerichtete Aktivitäten in Anlehnung an den jüngsten Judenmord sowie antisemitische Provokationen wie die ,,Auschwitzlüge". Erst im 10. Nachkriegsjahr ist die politische Bildung ernsthafter an der Auseinandersetzung mit diesem brisanten Thema interessiert. Das Buch ,,Erziehung zur Mündigkeit" ist entstanden durch Bemühungen eines Theoretikers, der seine Kritik an die poltische Bildung der Nachkriegsjahre der breiten Öffentlichkeit keineswegs vorenthalten will.Ein Wissenschaftler, der darauf Wert legte, dass man ihn gut verstand, beteiligte sich beim hessischen Rundfunk an dessen Reihe "Bildungsfragen der Gegenwart", welche zwischen 1959- 1969 einmal jährlich stattfanden. Begonnen hatte die Serie, die ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung der poltischen Bildung wurde, mit der Frage:" Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit?". Die gesamten Disputationen endeten 1969 mit einem Gespräch, dessen Titel " Erziehung zur Mündigkeit" lautete. Es stellte sich heraus, dass es Adornos letzte Forderung an die Gegenwart werden sollte. In dem Buch wird ein außerordentlicher Bildungsauftrag erläutert, der sich an die gesellschaftliche Praxis und hier vorrangig an die Familie, Schule, Jugendarbeit und Kulturpoltik richtet.Bisherigen Erziehungsidealen gilt es zu widersprechen. Sie sind nicht mehr zu verantworten, wenn man bedenkt wie Auschwitz überhaupt sein konnte. Hier versucht er sich besonders darin, Ursachen für die Entstehung des Nationalsozialismus in vorherrschenden autoritären Potentialen, und einer weit verbreiteten Autoritätsgläubigkeit zu begründen. Zu welchen Auswirkungen blinde Identifikation mit einem System führen kann, (Adorno spricht hier von einem Defekt im geistigen Zustand bzw. schuldige Naivität), hat der Holocaust bewiesen. Während des gesamten Werkes plädiert er für eine lebendige Bildung. Diese bedeutet nach seiner Philosophie:" sich nie mit Gegebenheiten abzufinden, sondern nachzudenken". Hier zieht er eine Parallele zur Praxis, in der er das Verhältnis von Lehrenden und Lernenden beobachtet und von beiden Seiten Widerspruch und Widerstand innerhalb der Erziehung fordert. Des weiteren kann man etwas über Ursachen und Voraussetzungen der Geringschätzung des Lehrberufes in Erfahrung bringen und Möglichkeiten finden, wie man doch noch zum Erfolg als "ungeliebter Akademiker" kommen kann. Dieses Buch richtet sich weiterhin an die Medien und dessen Aufgabe in der Zukunft. Der Öffentlichkeit wird dargestellt, was für ihn "Fernsehen als Ideologie" bedeutet. Im zweiten Teil des Buches beschäftigt er sich hauptsächlich mit dem Begriff der Erziehung. Adorno fordert von der Erziehung neben den bisherigen Aufgaben zusätzliche und bedeutende Aufträge. Eine seiner wichtigsten Bestrebungen aus den Lehren nach Auschwitz, auf die er sich während des gesamten Werkes immer wieder besinnt, ist für ihn:"...die Herstellung eines richtigen Bewusstseins". Denn, so Adorno:" will man eine Demokratie tatsächlich verwirklichen, braucht man eine Gesellschaft von Mündigen!". Theodor W. Adorno (1903- 1969) lehrte als Professor für Philosophie und Soziologie in Frankfurt und war Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität. Seine Position bestand in seinen Bemühungen um Verbreitung politischer Bildung, die für ihn identisch mit der Erziehung zur Mündigkeit war. Der Autor verfügt über eine außerordentliche philosophische Sprache, die dem Leser besonders in der ersten Hälfte des Buches eine hohe Konzentration abverlangt. Ihm gelingt es während des gesamten Textes, den Bezug zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herzustellen. Im ersten Kapitel hat der Leser den Eindruck, als ahne der Autor schon in den 60-iger Jahren, wie schwer sich die BRD zu ihrer Vergangenheit und dessen Aufarbeitung in der Zukunft stellen wird. In den folgenden Kapiteln fühle ich mich in meiner Rolle als Erwachsende, Studentin und zukünftiger Sozialpädagogin besonders angesprochen. Die Inhalte haben mich in Bezug auf meine Verantwortung um das Wissen, was das gesamte deutsche Volk über seine Vergangenheit hat und wie wir damit umgehen, aufmerksam gemacht. Sofern ein jeder Leser dieses Buches über eine konstruktive, selbstkritische Persönlichkeit mit einem richtigen Bewusstsein verfügt, stellt man auch 38 Jahre nach Erscheinen des Werkes fest, dass es der politischen Bildung immer noch nicht gelungen ist, sich der Forderung Adornos ausreichend zu stellen. Adornos Werk stellt im 21. Jahrhundert immer noch eine Herausforderung für die Gesellschaft der BRD dar. Der Inhalt aktuell und brisant, seine zentrale Aufforderung an die "mündigen" Bürger Deutschlands immer noch nicht ausreichend verstanden.

Dieses Buch ist gut geeignet für Menschen mit einem hohen Anspruch an die eigene Moral. Lesenswert für Lehrer, Studenten, Pädagogen, Politiker und welche die es werden wollen. Kurzum für alle die Verantwortung tragen, für das was wir über unsere Vergangenheit wissen, und was wir unseren Nachkommen davon erzählen. Ein außerordentlicher Bildungsauftrag des 20. Jahrhunderts. Wir nehmen ihn mit in das 21. Jahrhundert, als zentrale These der Zukunft.

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