Dieses Buch bieter zwei sehr gute Erzählungen von Joseph Conrad und zu diesem lächerlich billigen Preis ist das ein ohnehin überzeugendes Angebot! Gerade die zweite Geschichte, "Almayers Wahn", ist deshalbt so interessant, weil es das literarische Debüt des britischen Erzählers darstellt, der später mit "Herz der Finsternis" endgültig einen Beitrag zur Weltliteratur schuf.
Die Story von "Almayers Wahn":
Almayer ist ein vom Glück im Stich gelassener Europäer, dessen einzigen emotionalen Bezugspunkte in der tropischen Natur Borneos, seine unrealistischen Träume und Hoffnungen sind. Als Händler niedergelassen, steht er mächtigen Konkurrenten gegenüber. Vor allem Arabern und hinduistischen Herrschern, die für florierende Geschäfte keinerlei Rücksicht nehmen, schon gar nicht auf Almayer, den einzigen Weißen in der gesamten Umgebung, ist er ein Dorn im Auge. Doch die um nichts zu beneidende existenzielle Situation ist nicht die einzige, die schwer an ihm hängt. Genauso tragisch ist die familiäre Lage: Die Partnerschaft mit seiner Frau entstand allein aus Almayers Oppurtunismus heraus, basiert also keineswegs auf Liebe, und seine Tochter ist eine halb Weiße, halb Malaiin, die sich viel mehr mit ihren malaiischen Wurzeln identifiziert, als mit ihren europäischen.
Kurze Anmerkung zum Buch:
Die Figur Almayer soll keine ausgedachte, sondern nach einem Vorbild geschriebene sein. Zumindest soll es einen historischen Menschen gegeben haben, dessen Lebensweg mit dem des fiktiven Charakters dieses Buches zu vergleichen ist, jedoch nur vage. Allgemein projizierte Conrad viele seiner Erinnerungen als Schiffskapitän und Besucher tropischer Gegenden in diesen Roman, wodurch das literarische Debüt eine beachtenswert persönliche Note des englischen Schriftstellers enthält und schon deshalb sehr lesenswert ist.
Lesenswert auch, weil viele der Konflikte an keine Zeit gebunden sind und heute genauso aktuell sind wie damals. Während historische Tatsachen dem Leser kurze Zeitreisen in die imperialistische Hochphase gewähren, ermöglichen sie ihm gleichzeitig festzustellen, wie schwer es die Bewohner der Kolonialgebiete hatten, die allesamt nach der Pfeife der Mächtigen tanzen mussten. Für Conrad ist das wohl die Barbarenzeit gewesen sein. Denn warum sonst sind alle Figuren im Buch so negativ besetzt? Betrug, Neid, Größenwahn, Gier, Groll - sie regieren und diregieren die Charaktere. Eine harte und bittere Skizzierung der damaligen Lebenswirklichkeit.