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Erzähler der Nacht
 
 
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Erzähler der Nacht [Taschenbuch]

Rafik Schami
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Erzähler der Nacht
OA 1989 Form Roman Epoche Gegenwart
Das Thema des Romans Erzähler der Nacht ist das Erzählen selbst. Rafik Schami, der vor diesem Roman nur einzelne Märchen und Geschichten geschrieben hat, verbindet seine Texte in Erzähler der Nacht erstmals durch eine Rahmenhandlung. Ähnlich wie im Decameron (1470) von Giovanni R Boccaccio oder in der Novelle Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter (1795) von R Goethe kommt eine Erzählergemeinschaft zusammen, um eine Katastrophe abzuwenden.
Entstehung: Die Geschichten, die Schami in dem Buch sammelt, sind nicht am Schreibtisch entstanden. Der Autor erzählte sie auf seinen vielen Lesungen und entwickelte sie so lange weiter, bis sie schließlich für die Buchveröffentlichung reif waren. Schami lässt seine Erzählung im Jahr 1959 spielen – kurz vor dem Einzug des Transistorradios in Syrien, das ebenso wie der zunehmende Einfluss westlicher Traditionen dazu geführt habe, dass die Erzählkunst heute auch im Orient nicht mehr so weit verbreitet ist wie noch Ende der 1950er Jahre.
Inhalt: Kutscher Salim, der beste Geschichtenerzähler von Damaskus, verstummt. Seine mit ihm gealterte Fabulier-Fee hat ihn verlassen, um in den Ruhestand zu gehen. Da sie den Kutscher aber besonders sympathisch findet, hat sie sich mit dem Feenkönig darauf geeinigt, Salim noch eine Chance zu geben: Wenn es ihm gelingt, innerhalb von drei Monaten sieben einzigartige Geschenke zu erhalten, will der König eine junge Fee schicken, die ihm beim Erzählen hilft. Scheitert Salim, wird er nie mehr erzählen können.
Seine sieben Freunde – der Schlosser Ali, der Geografielehrer Mehdi, der Friseur Musa, der Ex-Minister Faris, der Kaffeehausbesitzer Junis, der amerikanische Emigrant Tuma und der Händler Isam – überlegen, wie sie Salim helfen können. Sie laden ihn zum Essen ein, kredenzen ihm sieben hervorragende Weine und sieben ausgesuchte Parfums. Selbst eine ausgedehnte Reise durch sieben Städte und über sieben Berge hilft nicht. Endlich, acht Tage vor Ablauf der Frist, kommen die Freunde auf die Idee, Salim die schönsten Geschichten vorzutragen, die sie kennen. Reihum soll jeder einen Abend mit Erzählen bestreiten.
Nach dem klassischen Reigenschema zieht jede Geschichte die nächste nach sich, und jeder Erzähler bemüht sich, seinen Vorredner zu übertreffen. Am letzten Tag ist Ali, der wortkarge Schlosser, an der Reihe. Er bringt seine Frau Fatmeh mit und lässt sie an seiner Stelle erzählen. Als sie geendet hat, ruft Salim »So eine Geschichte habe ich noch nie im Leben gehört!« – und hat die Sprache wiedergefunden.
Wirkung: Schamis Romanerstling wurde sofort ein Erfolg. Der Kritiker Jens Brünning lobte im Sender Freies Berlin: »Rafik Schamis Märchen, Fabeln und fantastische Geschichten sind die Fortsetzung von Tausendundeiner Nacht (entst. 8.–16. Jahrhundert) in unserer Zeit«. Schami, ein gewandter Propagandist in eigener Sache, stellte Erzähler der Nacht in zahlreichen Lesungen vor. Das Buch wurde mit vielen Preisen bedacht, darunter der Rattenfänger-Literaturpreis der Stadt Hameln. Zum Verkaufserfolg trug gewiss auch die sorgfältige Ausstattung des Buchs mit Zierleisten, farbigem Vorsatzpapier und Einband von Dorothea Göbel bei; die Stiftung Buchkunst wählte es dafür zu einem der schönsten Bücher des Jahres 1989. Es wurde in über zehn Sprachen übersetzt. M. E. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Rafik Schami hat wirklich das Talent, einen mit Poesie und Zauberei in die Geschichte einzuwickeln. Märchen und Realität vermischen sich. Er widmet sich in diesem Buch den Geschichten an sich und lässt jeden erkennen, wie wunderbar und wichtig diese doch für uns sind.«
Recklinghäuser Zeitung 13.11.2007

»Sein Roman ›Erzähler der Nacht‹ ist eine wunderbare Hommage an die orientalische Tradition des Geschichtenerzählens.«
Brigitte woman September 2007

»...ein Plädoyer für mehr Güte und Liebe.«
Susanne Kippenberger

Kurzbeschreibung

»So wie die eingewebten Märchen sind diese Lebensgeschichten voll schmerzlicher Schönheit und versöhnter Trauer.« Ricarda Winterswyl in der ›Süddeutschen Zeitung‹

»Heute kann ich ein kleines Geheimnis verraten: Ich wollte einmal alle Möglichkeiten des Erzählens in einer Geschichte versammeln. Zunächst hielt ich das für unmöglich, aber nach vielen Versuchen ist es mir gelungen, alle auf der Erde bekannten Erzählkünste in diesem Buch zu verstecken. Nicht einmal die Art, wie das Feuer dem Holz erzählt, ist mir entkommen.« Rafik Schami

Salim, der beste Geschichtenerzähler von Damaskus, ist verstummt. Sieben seiner Freunde besuchen ihn Abend für Abend und erzählen die Schicksalsgeschichten ihres Lebens. Damit können sie Salim erlösen, denn er benötigt sieben einmalige Geschenke. Und das können nur Geschichten sein!

carpe.com

Rafik Schami ist nicht einfach nur Schriftsteller, er ist buchstäblich Erzähler; Erzähler deswegen, weil er nicht einfach ein Buch schreibt, sondern Geschichten erzählt -- 'Erzählungen' im wahrsten Sinn des Wortes. Und zum Erzählen gehören immer zwei Parteien: Erzähler und Zuhörer. Das Publikum der Erzähler der Nacht beschränkt sich nicht einfach aufs Zuhören, sondern es redet mit, kommentiert die Erzählungen lauthals, weint und lacht, streitet und versöhnt sich während des Erzählens. Ein Erzähler ohne Zuhörer ist schlichtweg keiner. Er geht auf ihre Wünsche ein, richtet seine Geschichten nach ihren Vorlieben aus, und wenn ihnen eine Passage besonders gut gefallen hat, erzählt er sie gerne noch mal. Das Kunststück dabei ist, ihnen nicht einfach nach dem Mund zu reden -- schließlich ist es ja sein Mund, an dem sie hängen -, sondern sie letztendlich nach seinem eigenen Gutdünken zu formen. Und dieses Kunststück gelingt.

Rafik Schami ist ein Erzähler vom alten Schlag, und zwar vom ganz alten: Weitaus besser als auf irgendeiner Autorenlesung unter Neonlicht in irgendeiner schlecht geheizten und muffigen Bücherwürmerstube kann man ihn sich in einem Damaszener Kaffeehaus vorstellen, eine Tasse Mokka in der Hand, das Mundstück der Wasserpfeife lässig in den Mundwinkel geklemmt. Oder noch besser: Am Lagerfeuer einer Karawanserei, um sich die kühle Wüstennacht, als Publikum einige geschwätzige und dennoch aufmerksame Kameltreiber und Händler, über sich den klaren Sternenhimmel des Südens... Der Erzähler der Nacht wechselt nächtlich, jede Nacht übernimmt ein anderer aus dem achtköpfigen Publikum seine Rolle. Nur Salim hält sich vorerst zurück; er, der größte Geschichtenerzähler Syriens, der jedoch seit allerneuestem mit Stummheit geschlagen ist. Um Salims Stimme wieder aus ihm hervorzulocken, ein merkwürdiges Rätsel zu knacken und den Feenkönig gnädig zu stimmen, müssen sich seine Freunde so ins Erzählzeug legen und ihre besten Geschichten auftischen.

Schauplatz der Rahmenhandlung, die all diese Geschichten wie Knoten in einem Orientteppich zu einem prunkvollen Ganzen zusammenknüpft, ist eine der unbestrittenen Stammheimaten aller Märchen: Eine der ältesten Städte der Welt mit ihren verwinkelten Gassen, ihrem überdachten Basar, ihren antiken Baudenkmälern und ihren prächtigen Moscheen -- Damaskus; Damaskus vor tausendundeinem Jahr, Damaskus zu Beginn des 20. Jahrhunderts und Damaskus während der 50er Jahre.

Und letztendlich ist Erzähler der Nacht doch ein Buch geworden. Dem Leser, der an den nächtlichen Sitzungen teilhaben darf, werden nicht nur Geschichten und Märchen erzählt, er darf in die Herzen und Köpfe der jeweiligen Erzähler und Zuhörer hineinsehen, und er staunt, was er dort alles vorfindet. Indem Rafik Schami die Geschichten seiner Erzähler erzählt, erzählt er natürlich von sich selbst, von seiner Geburtsstadt, von ihren Einwohnern und von der arabischen Seele. Erzähler der Nacht ist ein außergewöhnliches und außergewöhnlich großartiges Buch, und womöglich trägt es seinen Namen deshalb, weil man es am Ende einer durchgelesenen Nacht erst aus der Hand legen kann, wenn man an seinem Ende angelangt ist. --Matthias Kehle

Der Verlag über das Buch

»...ein Plädoyer für mehr Güte und Liebe.« Susanne Kippenberger

Über den Autor

Rafik Schami , 1946 in Damaskus geboren, lebt seit 1971 in der Bundesrepublik. Studium der Chemie mit Promotionsabschluß. Heute zählt er zu den erfolgreichsten Schriftstellern deutscher Sprache. Sein Werk wurde in 22 Sprachen übersetzt. Lebt in der Pfalz.

Auszug

Wie der Kutscher Salim sitzend zu seinen Geschichten kam und sie unendlich lang frisch halten konnte.

Es ist schon eine seltsame Geschichte: Der Kutscher Salim wurde stumm. Wäre sie nicht vor meinen Augen geschehen, ich hätte sie für übertrieben gehalten. Sie begann im August 1959 im alten Viertel von Damaskus. Wollte ich eine ähnlich unglaubliche Geschichte erfinden, so wäre Damaskus der beste Ort dafür. Nirgendwo anders als in Damaskus könnte sie spielen. Unter den Einwohnern von Damaskus gab es zu jener Zeit seltsame Menschen. Wen wundert das bei einer alten Stadt? Man sagt, wenn eine Stadt über tausend Jahre ununterbrochen bewohnt bleibt, versieht sie ihre Einwohner mit Merkwürdigkeiten, die sich in den vergangenen Epochen angesammelt haben. Damaskus blickt sogar auf ein paar tausend Jahre zurück. Da kann man sich vorstellen, was für sonderbare Menschen in den verwinkelten Gassen dieser Stadt herumlaufen. Der alte Kutscher Salim war der merkwürdigste unter ihnen. Er war klein und schmächtig, doch seine warme und tiefe Stimme ließ ihn leicht als einen großen Mann mit breiten Schultern erscheinen, und schon zu Lebzeiten wurde er ... .

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