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Erzähler der Nacht
 
 
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Erzähler der Nacht [Taschenbuch]

Rafik Schami
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 280 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: zweite auflage (1. September 1994)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423119152
  • ISBN-13: 978-3423119153
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 11,9 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 36.189 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Rafik Schami
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Erzähler der Nacht
OA 1989 Form Roman Epoche Gegenwart
Das Thema des Romans Erzähler der Nacht ist das Erzählen selbst. Rafik Schami, der vor diesem Roman nur einzelne Märchen und Geschichten geschrieben hat, verbindet seine Texte in Erzähler der Nacht erstmals durch eine Rahmenhandlung. Ähnlich wie im Decameron (1470) von Giovanni R Boccaccio oder in der Novelle Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter (1795) von R Goethe kommt eine Erzählergemeinschaft zusammen, um eine Katastrophe abzuwenden.
Entstehung: Die Geschichten, die Schami in dem Buch sammelt, sind nicht am Schreibtisch entstanden. Der Autor erzählte sie auf seinen vielen Lesungen und entwickelte sie so lange weiter, bis sie schließlich für die Buchveröffentlichung reif waren. Schami lässt seine Erzählung im Jahr 1959 spielen – kurz vor dem Einzug des Transistorradios in Syrien, das ebenso wie der zunehmende Einfluss westlicher Traditionen dazu geführt habe, dass die Erzählkunst heute auch im Orient nicht mehr so weit verbreitet ist wie noch Ende der 1950er Jahre.
Inhalt: Kutscher Salim, der beste Geschichtenerzähler von Damaskus, verstummt. Seine mit ihm gealterte Fabulier-Fee hat ihn verlassen, um in den Ruhestand zu gehen. Da sie den Kutscher aber besonders sympathisch findet, hat sie sich mit dem Feenkönig darauf geeinigt, Salim noch eine Chance zu geben: Wenn es ihm gelingt, innerhalb von drei Monaten sieben einzigartige Geschenke zu erhalten, will der König eine junge Fee schicken, die ihm beim Erzählen hilft. Scheitert Salim, wird er nie mehr erzählen können.
Seine sieben Freunde – der Schlosser Ali, der Geografielehrer Mehdi, der Friseur Musa, der Ex-Minister Faris, der Kaffeehausbesitzer Junis, der amerikanische Emigrant Tuma und der Händler Isam – überlegen, wie sie Salim helfen können. Sie laden ihn zum Essen ein, kredenzen ihm sieben hervorragende Weine und sieben ausgesuchte Parfums. Selbst eine ausgedehnte Reise durch sieben Städte und über sieben Berge hilft nicht. Endlich, acht Tage vor Ablauf der Frist, kommen die Freunde auf die Idee, Salim die schönsten Geschichten vorzutragen, die sie kennen. Reihum soll jeder einen Abend mit Erzählen bestreiten.
Nach dem klassischen Reigenschema zieht jede Geschichte die nächste nach sich, und jeder Erzähler bemüht sich, seinen Vorredner zu übertreffen. Am letzten Tag ist Ali, der wortkarge Schlosser, an der Reihe. Er bringt seine Frau Fatmeh mit und lässt sie an seiner Stelle erzählen. Als sie geendet hat, ruft Salim »So eine Geschichte habe ich noch nie im Leben gehört!« – und hat die Sprache wiedergefunden.
Wirkung: Schamis Romanerstling wurde sofort ein Erfolg. Der Kritiker Jens Brünning lobte im Sender Freies Berlin: »Rafik Schamis Märchen, Fabeln und fantastische Geschichten sind die Fortsetzung von Tausendundeiner Nacht (entst. 8.–16. Jahrhundert) in unserer Zeit«. Schami, ein gewandter Propagandist in eigener Sache, stellte Erzähler der Nacht in zahlreichen Lesungen vor. Das Buch wurde mit vielen Preisen bedacht, darunter der Rattenfänger-Literaturpreis der Stadt Hameln. Zum Verkaufserfolg trug gewiss auch die sorgfältige Ausstattung des Buchs mit Zierleisten, farbigem Vorsatzpapier und Einband von Dorothea Göbel bei; die Stiftung Buchkunst wählte es dafür zu einem der schönsten Bücher des Jahres 1989. Es wurde in über zehn Sprachen übersetzt. M. E. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Rafik Schami hat wirklich das Talent, einen mit Poesie und Zauberei in die Geschichte einzuwickeln. Märchen und Realität vermischen sich. Er widmet sich in diesem Buch den Geschichten an sich und lässt jeden erkennen, wie wunderbar und wichtig diese doch für uns sind.«
Recklinghäuser Zeitung 13.11.2007

»Sein Roman ›Erzähler der Nacht‹ ist eine wunderbare Hommage an die orientalische Tradition des Geschichtenerzählens.«
Brigitte woman September 2007

»...ein Plädoyer für mehr Güte und Liebe.«
Susanne Kippenberger

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Salim aus Damaskus war früher Kutscher. Nun ist er alt geworden, seine geliebte Frau ist gestorben, und er versüßt sich den Lebensabend damit, regelmäßig ein paar Männer aus der Nachbarschaft zu treffen. Doch eines Tages passiert ihm etwas Sonderbares: Ihm erscheint seine Fee, seine Muse, könnte man sagen, und diese erklärt ihm, sie habe ihn nun lange begleitet, er habe dank ihrer Hilfe viele schöne Geschichten erzählen können, doch nun sei sie alt und könne nicht mehr bei ihm bleiben. Er habe noch ein paar letzte Worte, dann würde er stumm. Zunächst weiß der alte Kutscher nicht, was er davon halten soll, dann aber versammelt er die Freunde um sich, berichtet ihnen von der Fee, von seinem drohenden Verstummen und daß er nur eine junge, frische, neue Fee bekäme, wenn ihm sieben gute Dinge widerführen. Dann verstummt er tatsächlich. Die Freunde denken sich vieles aus, schließlich kommen sie auf die Idee, ihm Geschichten zu erzählen, jeder eine. Und so treffen sie sich nachts, um zu erzählen: schöne und traurige, witzige und märchenhafte Geschichten...

Rafik Schami läßt eine Welt aufleben, die sich wie eine Mischung aus "1001 Nacht" und dem arabischen Kulturkreis zur Zeit des Nasser-Regimes ausmacht. Zeitlich situiert wird die Handlung allein dadurch, daß immer wieder in den Gesprächen auch die Angst vor dem Geheimdienst deutlich wird und über die Politik geschimpft wird. Dies ist aber nur Rahmen, wenn er natürlich auch zum Lokalkolorit dazu gehört und das Buch insgesamt auch bereichert.

Wunderschön für Leute, die sich gern von Märchen verzaubern lassen, auch zum Vorlesen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Dieses Buch eignet sich optimal , um der Welt des Alltags hier in unserer westlichen Gesellschaft zu entfliehen, um in die blumige, übertreibende, duftende und liebenswerte Erzählwelt des nahen Ostens einzutauchen. Die Geschichte besteht aus einer Rahmenhandlung, die erzählt, wie der Geschichtenerzähler Salim aus Damaskus seine Stimme verlor. Sie berichtet von den Bemühungen seiner Freunde, ihn zu heilen. Zu diesem Zwecke erzählen sie , wie könnte es anders sein, Nacht für Nacht Geschichten, die natürlich auch dem Leser zuteil werden. Aufgrund dieser Einteilung des Buches, eignet es sich auch hervorragend als Vorlesebuch. Ein wirklicher Schatz an zauberhaften Märchen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Gebundene Ausgabe
Nicht nur ein wenig erinnert Rafik Schamis "Erzähler der Nacht" an gediegene Rahmenerzählungen, an Hauffs Märchenalmanache vielleicht, vor allem aber an "Tausendundeine Nacht", und zwar im positiven Sinne: Eine Sammlung verschiedenster Erzählungen, die ihrerseits zusammengehalten werden von einer Rahmenerzählung, die es auch schon in sich hat.
Dem altehrwürdigen Kutscher Salim, einem begnadeten Geschichtenerzähler, erscheint eines Nachts seine treue Fee, die ihm Unheil ankündigt. Diese Fee ist nämlich auch nicht mehr die jüngste und wird demnächst pensioniert (respektlos formuliert) -- mit der Konsequenz, dass dem guten Salim ab sofort nur noch 21 Wörter bleiben. Hat er die gesprochen, wird er stumm sein für alle Zeiten. Und diese 21 Worte hat er schnell gesprochen... Aber wie's so üblich ist im Märchen, gibt es doch noch einen allerletzten Ausweg: Erhält der traurig Verstummte "sieben einmalige Geschenke in den nächsten drei Monaten, dann wird eine junge Fee" den Job übernehmen, und Salim wird weiter Geschichten erzählen können... Jetzt wird's natürlich spannend: Was für Geschenke sind da nur gemeint? Salims sieben Freunde haben so einige Ideen, doch auf die richtige Spur kommen sie natürlich erst im allerletzten Moment: Sieben Geschichten soll er erzählt bekommen! Bereits bei der allerersten kurzen Vorstellung der sieben Freunde ahnt man: Allein deren Biographien wären abenteuerlich genug. Was werden sie zu erzählen haben! Um's kurz zu machen: Einiges.

Sieben Nächte bleiben, jede Nacht für eine Geschichte... der eine Freund erzählt ein feines, zeitloses Märchen, der nächste eine Schnurre, der übernächste erzählt aus seinem abenteuerlichen Leben. Manche Erzähler lassen die Tatsachen für sich sprechen und erzählen fast schon unorientalisch-spartanisch, andere legen großen Wert auf die Details -- auf ergreifende ebenso wie auf komische. Ich sag nur: "Kühe mit Flügeln"...
Manche Erzähler haben viel Talent zum Erzählen, andere eher weniger: Der ehemalige Minister beispielsweise glänzt durch unfreiwillige Komik, wenn er eine komische Geschichte ankündigt, die nicht nur nicht komisch ist, sondern deren mögliche Pointen der gute Mann auch noch mit Bravour versemmelt. Dagegen bezaubert der frühere Geographielehrer ein herzzerreißendes Märchen, das bereits ein ganzes Märchenbuch in sich birgt. Ein anderer, der lange Zeit in den USA gelebt hat, will seine Erlebnisse in der Ferne mitteilen, wird aber von den anderen kopfschüttelnd als erzählender Luftikus betrachtet: Das kann es doch alles garnicht geben! Und so weiter... Jeder der sieben Freunde erzählt, manche unterbrechen ihre Geschichten und unterhalten sich dazwischen mit den Freunden. Und jeden Tag erlebt man des stummen Salims Vorfreude auf den Abend, dazu seine Vorbereitungen, seine Erlebnisse und neuen Erkenntnisse, und nach und nach bekommen auch seine sieben Freunde immer mehr Profil. Eine Rahmenerzählung der besten Sorte eben.
Wer ganz genau liest, dem wird auffallen: So ganz zufällig sind die einzelnen Erzählungen bereits thematisch nicht gewählt. In jeder Erzählung geht es in irgendeiner Form um das Wesen der Sprache: Mal geht's um das Wort und darum, wie es seine Bedeutungen erhält, mal darum, was alles als Sprache verwendet werden kann. Und öfters geht's auch darum, was wichtiger ist für eine Geschichte: ihr Inhalt oder ihre Form? Nicht nur Tumas, Farids und Leilas Erzählungen weisen je auf ihre Art drauf hin: Das "Wie" einer Erzählung entscheidet mehr als ihr "Was" darüber, ob sie als gute Erzählung gilt.

"Erzähler der Nacht" schwebt bei alledem nicht im freien Raum: Die Geschichte findet in einem Altstadtviertel von Damaskus 1959 statt -- kein Zufall: 1958 schlossen sich Ägypten und Syrien vorübergehend zur Vereinigten Arabischen Republik zusammen; Demokratisierung bedeutete das freilich nicht. Nicht nur die plötzliche Furcht vor dem allgegenwärtigen Geheimdienst ist in der Rahmenerzählung ebenso wie in den einzelnen Erzählungen direkt oder indirekt gegenwärtig. Für uns heutige Leser widerspiegelt "Erzähler der Nacht" außerdem eine Art doppelte Vergangenheit: Das damalige, auch nicht ideale Damaskus, seine Bewohner verschiedenster Religionen und Herkunft sowie deren Kommentare zur damals jüngsten Vergangenheit -- all das kommt uns auch schon vor wie Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Zusätzliche Spannung ist garantiert.
Wer "Erzähler der Nacht" allerdings als politische Nachhilfe interpretieren will, denkt zu kurz und dürfte enttäuscht sein. Zum Glück! In erster Linie ist der ganze Band nämlich -- zum Glück! -- ein zeitloses Prachtstück. Außerdem beweist "Erzähler der Nacht" auch, dass eine Literaturform, die man eher mit der Literatur des 19. Jahrhunderts verbindet, hervorragend in die Gegenwart passt. Vorausgesetzt, ein Könner schreibt. Und hier schrieb ein Könner.
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