Kurzbeschreibung
Klappentext
Umschlagtext
Auszug aus Erzähl mir was von Afrika : Band 1 von Ronald Henss. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Als Kinder fürchteten wir uns sehr vor Opa Yongai. Nicht dass er jemals etwas Böses zu uns gesagt hätte, überhaupt erhob er niemals seine Stimme, lächelte stattdessen freundlich wenn wir an seiner Hütte vorüberhuschten. Er saß bei Tag und Nacht auf seiner Veranda, wo er aß, im Sitzen schlief, Geschichten erzählte und schließlich starb. Manchmal hob er langsam die Hand und winkte uns zu, doch ich sollte elf Jahre alt werden, bis ich mich zum ersten Mal in seine Nähe traute ... (Aus: Die Geschichte vom unglaublich fruchtbaren Opa Yongai)
Eine Wolkendecke halb Nebel, halb Luftverschmutzung verhüllt den Berg. Wüsste man es nicht besser, könnte man fast vergessen, dass er sich dort inmitten der Stadt erhebt. Manchmal vergisst man es tatsächlich für ein paar Tage, weil es hier unten im urbanen Tal so viel Zerstreuung gibt. Die Kapstädter sagen, dass der Berg ihr Ruhepol ist, dass sie nur ihm ihre entspannte Art zu verdanken hätten. Man spricht hier gern von Energien und geheimnisvollen Kräften. Das gehört genauso zum Alltag wie zertrümmerte Fensterscheiben und durchstochene Reifen (Aus: Sinnverkehr(t))
Fadi, ruft Amina aus der Hütte, lass die Nassara in Ruhe! Noch immer zucke ich zusammen, wenn ich unumwunden Nassara genannt werde: Weiße. Jedes Mal werde ich mit der Nase auf das gestoßen, was offensichtlich ist: Ich bin anders. Doch eine Andere zu sein oder als solche bezeichnet zu werden, ist nicht dasselbe. Und Fadimatou besteht darauf, mich bemerkenswert zu finden (Aus: Nachbarn)
Eigentlich kann ich sagen, dass ich die Trommeln Afrikas schon immer vernommen habe. Als Kind bereits, wenn ich, wie vielleicht jedes Kind, von großen Abenteuern in weit entfernten Ländern träumte. Und auch dieses schwarze Mädchen, um das sich meine Geschichte in gewisser Weise dreht, habe ich schon immer gesehen (Aus: Die Geister Afrikas)
Geisterschiffe auf dem Nil. Nach dem Terroranschlag der Islamisten in Kairo vom Dritten kreuzten nur noch fast leere, blitzende Motorschiffe auf der braunen Suppe; die langärmeligen, safaribeigen Personen an Deck erschienen vom Ufer aus wie Leprakranke, die man nicht mehr an Land lassen wollte. Ein dahintreibender Zauberberg, Davos mit Schwimmflügeln. Die riechen förmlich nach Malariaimpfung, meinte mein Vater. Weicheier, hieß das (Aus: Malesch, Mädchen)
Wenn es auf dieser Welt einen Ort gibt, der die Bezeichnung vollkommen verdient, dann ist das für mich der Gipfel des gewaltigen Ngong-Gebirges. Wie oft habe ich in den letzten siebzehn Jahren dort oben gestanden und meinen Blick schweifen lassen: Unter mir reichte weites Grasland bis hin zum Fuß des Kilimandscharo, auf der anderen Seite erstreckte sich die dürre Mondlandschaft der afrikanischen Tiefebene. Es war ein imposantes Farbenspiel aus Gelb-, Grün- und Brauntönen, in dem jedes Detail seinen tiefen Sinn hatte. Immer, wenn ich dort stand, überkam mich das Gefühl, einen Blick in die Seele Afrikas zu werfen (Aus: Ein letztes Mal In Memoriam Karen (Tania) Blixen)