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Erzähl mir von Kuba: Roman
 
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Erzähl mir von Kuba: Roman [Taschenbuch]

Jesús Díaz , Klaus Laabs
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 5., Aufl. (Juli 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492236723
  • ISBN-13: 978-3492236720
  • Originaltitel: Dime algo sobre Cuba
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,8 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 307.068 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Jesús Díaz
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Zwischen Havanna und Miami

«Erzähl mir von Kuba» – ein neuer Roman von Jesús Díaz

Gleich mehrmals wird Stalin Martínez, der Held in Jesús Díaz' neuem Roman «Erzähl mir von Kuba» («Dime algo sobre Cuba», 1998), aufgefordert, von Kuba zu erzählen. Seine Schwägerin und deren Nichte besuchen ihn auf dem Hausdach in Miami, wo Martínez unter der Einwirkung von Sonne, Durst und Hunger zu einem überzeugenden Bootsflüchtling gegart werden soll, und wollen von ihm wissen, wie denn das Leben in Kuba so sei. Doch wir wollen nichts überstürzen.

Starrköpfiger Simplicissimus

Beginnen wir mit Martínez' Vornamen. Seine Eltern waren der Meinung, dass in Castros Kuba einem Stalin die Tauben praktisch in den Mund fliegen müssten. Ganz so einfach ging's dann aber nicht, und eine kometenhafte Karriere war diesem Stalin auch nicht beschieden; er wurde Zahnarzt. Immerhin heiratete Martínez eine Mulattin, die so attraktiv war (unattraktive Mulattinnen sind in der kubanischen Literatur sehr selten), dass die Eifersucht ihn dauernd quälte. Nicht ohne Grund, denn eines Abends kommt Idalys, Tänzerin in einem Nachtklub für Dollar-Touristen, im Taxi nach Hause und küsst zum Abschied den Fahrer. Damit beginnt Martínez' Pein, und damit beginnt auch dieser pikareske Roman.

Beruflich ächzt Martínez unter dem Mangel an Instrumenten und Medikamenten sowie einer humorlosen und politisch speichelleckerischen Vorgesetzten. Privat gerät er ins Trudeln, als sich die Untreue seiner Gattin immer deutlicher abzeichnet. Aus beidem errettet ihn der Zufall. Als Martínez nämlich eines schönen Feierabends auf dem Nachhauseweg eine Fähre benutzt, wird diese von einigen sehr ausreisewilligen Kubanern gekapert und stracks nach Florida entführt. Dort frisiert das Fernsehen Martínez flugs zum Helden, doch als er sich weigert, um politisches Asyl nachzusuchen, wird er fallengelassen wie eine heisse Kartoffel. Martínez ist nämlich nicht bloss tollpatschig, sondern auch starrköpfig.

Er liebt seinen Beruf und seine treulose Idalys und will unbedingt nach Kuba zurück, so hart dort das Leben auch ist. Selbst seinem in Miami lebenden Bruder, Lenin mit Namen und vor seiner Flucht aus Kuba ein strammer Parteigenosse, gelingt es nicht, Martínez umzustimmen. So kehrt er denn nach Havanna zurück, wo er gleich nochmals vom Fernsehen vereinnahmt wird. Diesmal weiss Martínez genau, was er der Öffentlichkeit schuldig ist – seine wortreiche Verurteilung des American Way of Life beschert ihm Applaus und das Privileg einer Reise zu einem Zahnarzt-Kongress nach Mexiko. Dort beschliesst er, nun doch im Feindesland leben zu wollen. Aber ein kubanischer Flüchtling, der nicht direkt aus Kuba in die USA einreist, hat allerlei Widerwärtigkeiten seitens der Einwanderungsbehörden zu gewärtigen.

Falscher Bootsflüchtling

Martínez schlägt sich illegal zu seinem Bruder nach Miami durch, wo der Plan reift, aus ihm einen Balsero zu machen, um auf diese Weise seinen Status als Asylant rasch zu bereinigen. Und so verbringt Martínez, wie erwähnt, einige Tage darbend und der Sonne ausgesetzt auf dem Dach von Lenins Haus, um in der Rolle eines Bootflüchtlings überzeugend zu wirken. Die Antwort auf die Fragen der beiden Frauen, die ihn dort aufsuchen, ist dieser Roman, in dem Martínez sein bisheriges Leben fragmentarisch und ohne Chronologie Revue passieren lässt. Schliesslich wird er, wettergegerbt und abgemagert, aufs Meer hinausgeschippert und des Nachts auf einem Floss ausgesetzt. Ob er die USA erreicht, bleibt offen.

In seinem ersten Roman, «Die Initialen der Erde» (1987), entwirft Díaz anhand eines Einzelschicksals ein Panorama Kubas im ersten Jahrzehnt nach Castros Revolution von 1959. «Die verlorenen Worte» (1992) ist die stark autobiographische Geschichte einer Bande frecher Jungliteraten, die im Kampf gegen die orthodoxe Kulturbürokratie unterliegen. In seinem dritten Roman, «Die Haut und die Maske» (1996), verbindet Díaz seine Erfahrungen als Drehbuchautor und Filmregisseur mit der Geschichte einer aus politischen Gründen auseinander gerissenen Familie in Kuba. Mit seinem neuen Buch nun kehrt Díaz zum epischen Format seines Erstlings zurück. Das Leben des Zahnarztes Martínez widerspiegelt die dramatischen Verschlechterungen im kubanischen Alltag der letzten zehn Jahre.

Dollarwirtschaft, Kleinunternehmertum, Prostitution, Tourismus, Verarmung, Bootflüchtlinge: Dass die Verarbeitung solcher Themen nicht zum pflichtschuldigen Abhaken sattsam bekannter Phänomene wird, verhindert Díaz' erzählerische Verve. Man folgt den Abenteuern und Tribulationen des Stalin Martínez mit Vergnügen und ist sich doch bewusst, dass die Wirklichkeit, die der Geschichte und den zum Teil herrlich burlesken Episoden zugrunde liegt, eine äusserst bedrückende ist. Díaz spart mit expliziten politischen Äusserungen, sein Held ist eine Art Simplicissimus in einer verrückten, chaotischen Welt. Auch als Balsero taugt Stalin Martínez nicht zum politischen Bannerträger. Sein Entscheid, aus Kuba wegzugehen, entspringt persönlichen Motiven: Er will seiner Ex-Frau eins auswischen, indem er es in Amerika zu einer eigenen Zahnklinik und zu Geld bringt.

Ausgleich und Versöhnung

Jesús Díaz (geb. 1941) lebt in Madrid im Exil. Kritische Äusserungen anlässlich einer Veranstaltung in Zürich hatten zur Folge, dass ihm 1992 die Rückkehr nach Kuba verboten wurde. Heute ist Díaz eine Stimme des Ausgleichs und der Versöhnung zwischen den 10 Millionen Kubanern in Kuba und den 2 Millionen im Exil. Als Plattform dient ihm und einer wachsenden Zahl exzellenter Mitarbeiter die 1996 gegründete Zeitschrift «Encuentro de la cultura cubana», deren Chefredaktor er ist. Sie erscheint viermal jährlich, die einzelnen Nummern haben Buchumfang, das thematische Panorama reicht von Literatur und Sozialwissenschaften über Kunst und Politik zu Geschichte und Philosophie. Dass diese vielfältige, reichhaltige und an keine Partei gebundene Zeitschrift unter Kubanern in Kuba und in der Diaspora Zuspruch findet, zeigen nicht zuletzt die Leserbriefe, die in jeder Nummer, in einer Art Selbstversicherungsritual, ganze Seiten füllen.

Vom Erfolg bestärkt, hat «Encuentro» dieses Jahr eine kulturelle Online-Tageszeitung* geschaffen. Damit verfügen die gemässigten, auf Verständigung bedachten Kräfte über ein Forum, welches keinen Grenzkontrollen und keiner Zensur unterliegt. Im Hinblick auf ein Kuba nach Castro sind Ideen gefragt, welche die Orthodoxien und die Dogmen aufweichen und die politischen Kräfte der Mitte stärken. In diesem Zusammenhang hat Jesús Díaz kürzlich die Eigenverantwortung der Kubaner angesprochen: Nicht die USA seien die grösste Gefahr für die Zukunft seines Landes, meinte er, sondern die Uneinigkeit und Unversöhnlichkeit unter den Kubanern.

Georg Sütterlin

* www.cubaencuentro.com -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Vom Exil aus hat Jesús Díaz seinen kubanischen Don Quijote in die Welt hinausgeschickt, wohl um sich von ihm zu befreien, aber auch, um dieser Welt zu zeigen, wie der Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf Kuba immer größer wird.« Süddeutsche Zeitung

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Wie traurig und dennoch tolpatschig wirkt dieser Stalin aus Kuba! Er kann einem leid tun, wie er gegen seinen ungewollten Vornamen ankämpft, nicht nach Miami entführt werden will, dass alle anderen Kubaner für das gelobte Land halten. Als er dann freiwillig nach Kuba zurück kommt, bricht die triste Gegenwart der kubanischen Diktatur, die sie leider geworden ist, über ihm zusammen. So schnell wie möglich möchte unser Held nun doch nach Miami, aber so leicht ist das nicht! Vor den Erfolg hat unser Autor das Leid eines vermeintlichen Bootsflüchtlings gestellt. Alles dies rekapituliert der Autor in den Gedanken seines Helden auf dem Dach eines Hauses in Miami. Wer sich in die kubanische Realität und die Gedankenwelt von Kubanern und Exilkubanern einfinden kann, wird hier schnell zu einem erfreulichen Lektüreerlebnis kommen. Auch wenn die anderen Büche von Jesus Diaz vielleicht noch etwas stärker sind, ist der Roman dennoch sehr zu empfehlen. Das Ende bleibt offen - wie sollte es auch anders sein. Auch die kubanische Zukunft ist offen, hoffentlich auch für die Menschen in Kuba.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Da ich bald nach Kuba reise, habe ich mir einen Reiseführer und eben ein wenig Literatur über Kuba bestellt und muß wirklich sagen ich bin begeistert. Ich habe sowieso einen Hang zu Lateinamerika, der Literatur, Film & Fernsehen, aber das Buch (was nach mir noch andere gelesen haben) ist wirklich tolle Belletristik.
Ein leichtes Buch für den Urlaub, keine schwere Kost, manchmal komisch, aber auch etwas tragisch geschrieben. Trotzdem bleibt immer ein lachendes Auge dabei. Wir begleiten "Martinez" ("Stalin") auf seiner Rückblende nach Kuba und man fiebert einfach mit. Ich würde das Buch wirklich weiterempfehlen und werde mir noch andere Bücher von Jesús Díaz kaufen. Ich bin sehr gespannt... :-)
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Teresa
Format:Gebundene Ausgabe
Der Zahnarzt Stalin Martinez wird gegen seinen Willen mit einer Fähre nach Florida entführt. Als er freiwillig nach Havanna zurückkehrt wird er als Held gefeiert. Seine Frau, die nicht mit seiner Rückkehr rechnet, betrügt ihn. Seine große Errungenschaft, sein Fahrrad , wird ihm gestohlen. Drastisch wird ihm vor Augen gehalten, daß alles was ihn an Kuba bindet, zerfällt.Er flieht auf Umwegen zu seinem Bruder nach Miami und sitzt sechs Tage lang auf dessen Dachterrasse um das Aussehen eines Bootsflüchtling zu erlangen.
Díaz schildert mit "traurigem" Humor die Tristess, die Kuba in den langen Jahren nach der Revolution erfaßt hat und die Hoffnungslosigkeit die durch das Verhalten der amerikanischen Regierungen ausgelöst wurde.
Dieses Buch ist ein "Muß" für jeden Kuba-Liebhaber.
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