Mit "Erzähl doch mal von früher° sind nun Loki Schmidts Lebenserinnerungen erschienen. Das Buch ist im Stile eines Interviews geschrieben, was zunächst etwas befremdlich wirkt, mit zunehmender Lesedauer aber seinen eigenen Reiz entwickelt.
Die Erlebnisse dieser absolut faszinierenden Frau, die auch heute noch für viele Menschen Vorbildcharakter besitzt, ziehen den Leser schnell in ihren Bann. Hanseatisch, aufrecht und oft herrlich unangepaßt geht Loki Schmidt durch das Leben. Besonders die erste Buchhälfte, von der Kindheit in den zwanziger Jahren bis zur frühen Nachkriegszeit, vermag zu fesseln.
Danach kommt es leider immer wieder zu Abschnitten, denen man mangelden Tiefgang bescheinigen muß. Dieses zeigt sich besonders deutlich in den Berichten über Willy Brandt, Herbert Wehner und Franz Josef Strauß.
Hier hapert es auch an den Fragestellungen des Gesprächspartners Reinhold Beckmann. Mäßig einfühlsam werden die Fragen abgespult. Besonders an kniffligen Stellen, wird Beckmann zu plump und Loki Schmidt blockt ab. Schade, hier wäre mehr möglich gewesen.
Ein weiterer Minuspunkt, der erwähnt werden muß, ist das m.E. schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis. Besonders, wenn man die dürftige Papierqualität betrachtet und den Geruch nach billigem Leim, der einen beim Öffnen des Buches entgegenschlägt.
Fazit: Trotz der nicht unwesentlichen Minuspunkte bereitet das Buch kurzweilige Lesefreude. Eine Taschenbuchausgabe hätte es aber auch getan.