In dem ADS Buch für Erwachsene werden Symptome der Aufmerksamkeits-Störung bei Erwachsenen mit und ohne Hyperaktivität sehr übersichtlich und verständlich dargestellt. Dabei werden verschiedene Verhaltensmerkmale nicht einfach aufgelistet und klassifiziert, sondern anhand verschiedener Fallbeispiele nachvollziehbar und für selbst Betroffene auch nachfühlbar gemacht.
ADS wird in dem Buch als neurobiologische Störung begriffen. Die medikamentöse Behandlung wird jedoch nur als ein möglicher Baustein der Behandlung angesehen, der dann aber immer in ein Gesamtkonzept eingebunden werden muss.
Es werden Beispiele aufgezeigt, in denen offensichtlich von ADS Betroffene ihre Lebensumstände so gestalten bzw. umgestalten konnten, dass sie nun stressfreier und zufriedener leben können.
Darüberhinaus werden auch günstige Faktoren im Umfeld von ADS'lern in Schule, Beruf und Familie angesprochen.
Ausführlich wird in dem Buch auf das Thema ADS und Partnerschaft eingegangen. Dieses Kapitel kann meiner Meinung nach sowohl für Betroffene selbst das Verständnis für den/die nicht betroffene/n PartnerIn als auch umgekehrt sehr fördern.
Sehr ausführlich wird auf über 100 Seiten das Opti-Mind-Konzept für Erwachsene dargestellt. Darin beschreiben die AutorInnen, wie Erwachsene typische ADS-Probleme wie mangelnde Aufmerksamkeit, Kommunikation, Chaos, Emotionen, Finanzen, fehlende Impulssteuerung und Zeiteinteilung praktisch in den Griff bekommen können.
Vieles wird einem aus Büchern zu Zeit- und Selbstmanagement bekannt vorkommen, ist hier jedoch auch die speziellen Schwierigkeiten von Ads'lern abgestimmt, die ja in ihrem Leben meistens schon unzählige gute Ratschläge bekommen haben, oft auch Bücher zu den o.g. Themen gelesen haben und nachher um so frustriert waren, weil sie es eben nicht umsetzen konnten.
Es wird deutlich, dass dies alles tatsächlich nur in einem Gesamtkonzept funktionieren kann.
Insgesamt ist das Buch sehr auf das schon genannte opti-mind-Konzept abgestimmt, welches in dem OptiMind-Institut der AutorInnen über Fortbildungsveranstaltungen etc. vermittelt wird.
Kaum angesprochen werden die Möglichkeiten von Selbsthilfe und gegenseitigem Coaching.
Sehr positiv ist die Gestaltung des Buches von der äußeren Aufmachung über die Gliederung bis zu der Darstellung in den einzelnen Kapiteln. Der Text ist rein optisch gut gegliedert, wird durch Merkkästchen, Zeichnungen etc. sehr übersichtlich strukturiert. Besonders positiv finde ich auch die Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte am Ende jeden Kapitels. Besonders gut für ADS-Betroffene :-)).
Als kleines aber nicht ganz unbedeutendes Manko möchte ich die fehlenden Literaturhinweise nennen.
Die AutorInnen sollten die Quellen ihres Wissens, welches sich ja nicht nur aus der eigenen Praxis speist, nennen.
Und dies nicht nur um die AutorInnen anderer Bücher und deren Leistungen zu würdigen, sondern auch um Leserinnen und Lesern Hinweise auf die Herkunft der Erkenntnisse zu geben. Ich kann mir vorstellen, dass gerade auch im therapeutischen und pädagogischen Bereich viele das Buch lesen werden. Und gerade für diese Zielgruppe wären die Literaturangaben sehr wichtig. Deshalb "nur" vier Sterne für ein ansonsten sehr guten Buch.