Vielleicht spielt dieses Buch die Verantwortlichkeit des Einzelnen für seine Taten zu sehr herunter. Aber klar ist: Gewalt gegen Minderheiten kommt nicht aus dem Nichts. Zum Umfeld des jugendlichen Marco, der zum Mörder zweier türkischer Kinder wird, gehört nicht nur der Sohn eines Rechtsextremisten. Sondern auch der Bürgermeister, der "nicht falsch zitiert" werden möchte mit seiner Meinung, Fremdenfeindlichkeit sei doch eigentlich verständlich. Und andere.
Dass die Äußerungen der Personen nur aneinandergereiht werden und unkommentiert bleiben, lässt den Leser manchmal unentschieden zurück: Ist der Geschichtslehrer ein engagierter Antifaschist oder in seinem Übereifer doch mitschuldig? Sehr eindrücklich die Aussage des Gemeindepfarrers zu Solidaritäts-Demos nach ausländerfeindlichen Brandanschlägen: "Es ist wie die Kirche an Heiligabend. Überfüllt und feierlich, und hinterher geht der Alltag seinen Gang. (...) Man hätte auf dem freien Platz in der Mitte gut und gerne unser Krippenspiel aufführen können."
Und vielleicht am besten gibt der Tankstellenbesitzer die populäre Stimmung wieder: "Dem hätte nur ein paar Mal der Arsch versohlt gehört, dann hätte der das jetzt... also wenn Sie mich fragen: dann könnten die Türken da noch leben. Nicht dass ich jetzt also groß für Türken schwärme. Aber muss ja nicht sein."