Die Fotografien in Georg Guillemins "Erster Akt-Junge Frauen in Berlin" sind von einer aufregenden Sinnlichkeit, die wenig von der männlichen Betrachtung schöner Frauen zu haben scheinen, sondern im gegenteil so wirken, als hätten die Frauen Selbstporträts geschossen: ohne Vorbildung, ohne ästhetischen Anspruch und ganz für sich allein. Natürlich darf angenommen werden, dass dieser Eindruck sorgfältig inszeniert ist. Allerdings muss ebenso vermutet werden, dass die mehr oder weniger künstlich vermittelte Spontanität des fotografischen Augenblicks letztlich doch etwas mit der im Vorwort des Buches beschworenen Leichtlebigkeit der jungen Frauen in Berlin zu tun hat. Ein ehrgeiziges Unterfangen eines Mannes, der auszog, die Frauen zu sehen, wie sie sich selbst sehen, ohne dabei das Fürchten zu lernen. Wie der Titel vermuten lässt, darf man auf den zweiten Akt dieser Art gespannt sein. In der Zwischenzeit aber sei dieses kleine feine Buch aus dem Berliner Verlagshaus Schwarzkopf & Schwarzkopf vor allem dem weiblichen Publikum ans Herz gelegt.