Carver wird in dem Buch mit seinen ersten Geschichten vorgestellt, denen noch deutlich die Experimentierphase anzumerken ist, in der sich der Autor dazumals - sich selbst findend - befand, wobei diese Storys allesamt schon unverkennbare Carvers sind. Dann folgen sieben ausgefeilte Erzählungen des Meisters, die den Leser unaufhaltsam in ihren Bann ziehen. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, warum Carver ein Platz im Literaturolymp sicher ist. Poetisch, gelegentlich wehmütig, plastisch, manchmal auch karg, ja minimalistisch fast führt Carver in diesen Geschichten ganze Lebensentwürfe vor; konzentriert, seinen Helden absolut nahe ohne deren Privatsphäre zu verletzen sowie sprachlich ausgefeilt bis ins Detail. Am Ende dees Buches stehen fünf erst nach dem frühen Lungenkrebstod im Jahre 1988 entdeckte Geschichten, die deutlich über das Entwurfsstadium hinausgehen und Carvers charakteristische Prosa bestätigen; der Tod Carvers ist schließlich dazwischen gekommen und so werden seine Leser nie wissen, ob Carver selbst diese Geschichten vor Veröffentlichung nicht doch noch etwas umgeschrieben oder daran gefeilt hätte. Durch ein interessantes und recht ausführliches Vorwort seiner langjährigen Lebensgefährtin Tess Gallagher abgerundet ist dieses Buch ein kraftvolles Vermächtnis und zugleich würdiger Abschluss der nun vierbändigen Ausgabe des Prosawerkes von Raymond Carver im Berlin Verlag.