Es gibt viel zu berichten, der Alltag gibt eine Menge her, man muß nur ab und an anhalten und sich umschauen.
Geschichten werden singend erzählt von Markus Berges. Geschichten, die sich stets auf dem Grat zur Belanglosigkeit bewegen, doch die Art und Weise, wie sie beschrieben werden, läßt dieses Gefühl nie aufkommen. Es sind diese Geschichten, bei denen man "ach ja...genau" sagen kann und sich dann freut nicht ganz allein zu sein. Dieses Gefühl zu erzeugen schaffen nicht viele deutsche Musiker, zu erwähnen wären aber noch Keimzeit.
Es bleibt dennoch einiges übrig, daß man in die Kiste für fehlendes Nachvollziehen stecken muß, weil man entweder noch nicht alt genug ist, um die Zusammenhänge eventuell verstehen zu können, oder weil man eben doch zu einfach gestrickt ist. Nichtsdestotrotz bleibt es ein Vergnügen genauer hinzuhören und das nicht nur bei den Texten. Im Gegensatz zu dem Debüt "das ende der diät" ist die Musik auf "erste worte nach bad mit delfinen" ruhiger geworden, hat sich sanft der Elektronik geöffnet, ohne die klassischen Popstrukturen ernsthaft anzugreifen. Überhaupt ist Pop immer wieder der einzig richtige Begriff, um sich von jeglichen Stilumschreibungen zu befreien. Harmonien wie beispielsweise bei "Lachen in Moll" oder "So küßte sie" erfreuen das harmoniebedürftige Herz, ohne Rosamunde Pilcher zu vermissen. Es steckt eine Menge Melancholie in der Musik von ERDMÖBEL, aber es ist diese locker leichte Trübsinnigkeit, die sich mit jeden Morgen breitmacht, wenn man sich freut, den neuen Tag noch vor sich zu haben, jedoch nicht richtig weiß, was man mit ihm anfangen soll. Damit mit Selbstironie umzugehen, könnte als bequem angekreidet werden, aber ein Sympathiebonuspunkt ist dafür mehr wert.
Mit Hornbrille und Karohemd scheint man an einem Punkt angelangt zu sein, an dem das Wort "cool" an Bedeutung verloren hat und man einfach lebt.
Im Übrigen erinnert mich Markus Berges an meinen Onkel.