Noch ein Buch über den Ersten Weltkrieg - als ob es nicht schon genug darüber gibt!
Die „Urkatastrophe des Jahrhunderts" (George Kennan) scheint ein besonders einladendes Thema zu sein. In der Tat ist das Interesse am Ersten Weltkrieg in den letzten Jahren deutlich gestiegen, was sich naturgemäß in der Anzahl der Veröffentlichungen darüber niederschlägt. Nun hat Wolfgang J. Mommsen abermals einen kleinen Sammelband seiner Arbeiten vorgelegt. Wie oftmals üblich, ist der Untertitel der eigentliche Titel des Buches :"Anfang vom Ende des bürgerlichen Zeitalters". Wer sich über den Kriegsverlauf, die Kriegsziele oder wirtschaftliche Aspekte informieren will, sollte sich an andere Bücher halten. Der Anspruch des hier angezeigten Werkes ist ein anderer : Es soll dargestellt werden, inwieweit der Erste Weltkrieg eine historische Epochenscheide zwischen 19. und 20. Jahrhundert war. Um es vorwegzunehmen : Diesen Anspruch löst der Autor voll und ganz ein. Er schreibt über das „Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg", „Wilhelm II. als König von Preußen und deutscher Kaiser", „Deutsche und englische Dichter im Ersten Weltkrieg" oder „Die christlichen Kirchen im Ersten Weltkrieg", um einige Kapitelüberschriften zu zitieren. Besonders pointiert gelingt Mommsen der Zugriff auf sein Thema jedoch in dem nur 15 Seiten langen Kapitel über „Die Kontinuität des Irrtums. Das Deutsche Reich an der Schwelle zum totalen Krieg". Hier arbeitet er klar heraus, inwiefern der Erste Weltkrieg ein Scharnier zwischen alten Traditionen von Politik und Kriegführung und neuen, durchaus nicht immer positiv zu nennenden Erscheinungen war.
Eine Bilanz des Versailler Vertrages beschließt das schmale, aber hochinformative Bändchen.