"Erste Person Plural ist kein Roman, sondern ein autobiographischer Bericht des Autors..." Dieser auf Seite fünf der Taschenbuchausgabe stehende Satz erscheint ob der Thematik des Buches wenig angebracht, dennoch hat er seine Berechtigung. Ich habe selten ein Buch gelesen, daß sachliche Informationen so eingehend, gefühlvoll und unterhaltsam herüberbringt. Mir ist auch noch kein Buch untergekommen, daß sich mit den Tabu-Themen des sexuellen Mißbrauchs an Jungen und der dissoziativen Identitätsstörung als mögliche Folge in der gesamten, facettenreichen Bandbreite befasst, ohne langatmig zu wirken. Cam West läßt den Leser nicht nur an den schwierigsten sieben Jahren seines Lebens teilhaben, er beschreibt gleichzeitig die Situation seiner Frau und seines kleinen Sohnes, die sich mit einer Problematik konfrontiert sehen, die das Begriffsvermögen eines Nichtbetroffenen um ein Vielfaches übersteigen. Ein Buch voller Höhen und Tiefen, vor allem aber voller Hoffnung. Erste Person Plural zählt für mich zur Standardliteratur für Betroffene, deren Partner und Familien.