Was für hübsche Bilder, dachte ich, als ich die vier Märchenbücher dieser Reihe (die drei anderen sind:
Der Froschkönig,
Dornröschen und
Aschenputtel) sah und sofort für meine Tochter (2 Jahre) kaufte. Viele schöne Märchenbücher für Kinder in dem Alter gibt es nämlich nicht...
Gerade Frau Holle hatte es der Kleinen schon im Buchladen angetan. Doch wie groß war meine Ernüchterung, als ich abends das Buch vorlas und nach dem Sprung in den Brunnen nur der Apfelbaum auf die Goldmarie wartete. Den Ofen suchte ich vergeblich. Doch das war nicht das Schlimmste: Als das Mädchen Frau Holles Betten aufschüttelte - schüttelte sie eben Frau Holles Betten auf - und das wars. Kein Wort von Schnee! Kein Bild von Schnee!
Frau Holle ohne Schnee? Das ist furchtbar! Das ist wie ein Frühling ohne Blumen, ein Herbst ohne Drachensteigen und eine Kindheit ohne Märchen! Und als Gold- oder Pechmarie heimkehren ist da auch kein Hahn, der ruft "Kikeriki, die goldene/schmutzige Jungfrau ist wieder hie!"
Damit bestätigte sich für mich einmal mehr das Unvermögen der Autorin (Rosemarie Künzler-Behncke), schöne Bilderbücher adäquat zu texten, die Geschichten selbst und die Kinder ernst zu nehmen oder Zusammenhänge begreifbar zu machen. Ihre Arbeit macht mir vielmehr den Anschein, als hielte sie die Kleinen für dumm. "Zusammenhänge begreifen die ohnehin nicht, da können wir sie auch weglassen..." lese ich zwischen den Zeilen der lieblos hingeschluderten Minimal-Texte. Es ist für mich ein Rätsel, warum eine so uninspirierte Autorin so viele Bücher für Kinder mit Worten versehen darf.
Inzwischen habe ich Abhilfe geschaffen und die kleinen, wunderschön illustrierten Märchenbücher von Esslinger gefunden (etwa
Schneewittchen), die mit den Original Grimmschen Texten zwar vergleichsweise umfangreich sind, dafür aber Kind und Vorlesenden ernst nehmen und nicht für dumm verkaufen.