Sehr mühsam nur erschließt sich die hinter der vordergründigen Geschichte liegende Aussage des Buches: Eine junge Frau, Magda, lebt scheinbar problemlos in der kleinbürgerlichen Welt eines kleinen holländischen Ortes. Alltagsehe, schönes Haus mit Garten, kleiner Freundeskreis. Scheinbar belanglos steuern die Schilderungen dieses Lebens, die aus der Sicht des Freundes der Familie, Erik, des Ehemannes Robert, dann aus ihrer eigenen und schließlich aus der Sicht der Frau von Erik, Nelli, auf den entscheidenden Punkt zu: Magda verschwindet wortlos von einem Tag auf den anderen aus ihren Lebenskreis. Für 2 volle Jahre ist sie unerreichbar, sie begibt sich an die Orte ihre bisherigen Lebens, in chronologisch umgekehrter Reihenfolge. Sie scheint ihr bisheriges Leben aufzuarbeiten, wobei sie Beziehungen zu mehreren Männern eingeht und wieder beendet. In dieser Zeit findet ein Bewusstseinswandel mit ihr statt. Sie spürt, dass niemand sie wirklich versteht, schon gar nicht ihr Mann. Sie aber möchte frei sein und aus dieser Freiheit heraus leben, ohne sich einengen zu lassen oder sich anpassen zu müssen. Das aber wird ihr zum Verhängnis, denn nachdem sie zurückgekehrt ist und ihr Leben genau an der Stelle wieder aufnimmt, wo sie es verlassen hatte, jedoch ohne Erklärungen oder gar Rechtfertigungen abzugeben, ermordert ihr Mann sie. Seine Liebe zu ihr war eine besitzergreifende, er machte sich offenbar nicht die Mühe herauszufinden, wer seine Frau eigentlich war. Ihr Schweigen jedoch treibt ihn zu dieser Wahnsinnstat. Die Ehe mit seiner "emanzipierten" Frau ist damit gescheitert, seine Frau liegt tot im Ehebett. Sehr geschickt werden 2 Welten verwoben, die der äußeren Realitäten und eine innere, die Magdas Bewusstsein widerspiegelt. In welche dieser Welten gehört ihr Verschwinden, gehört der Mord an ihr? Probleme der subjektiven Wahrnehmungen spielen eine gewichtige Rolle, des einander Verstehens vor dem Hintergrund des selektiven Wahrnehmens der Menschen, des Kommunizierens zwischen den Geschlechtern überhaupt. Keine der Personen versteht die anderen so, wie er/sie sich selbst versteht. Die Ehe ist gescheitert, ob nun durch realen Mord oder durch das Ende des miteinander Kommunizierens, das ist unerheblich, meine ich. Ein geschickt geflochtenes Abbild der heutigen Gesellschaft, in der weibliche Selbstverwirklichung noch immer nicht wirklich integriert werden kann, in der Ehe allzumal? Ich meine ja, das ist der Hintergrund dieser Geschichte, selbst wenn er sich nur zwischen den Zeilen erschließen lässt.