Das Buch ist eine so schöne Würdigung des Mediums Comic, das ich mir noch weitere Bücher von Tim Pilcher über die Neunte Kunst wünsche und zwar gerne auch über anderes als nur über Erotische Comics.
Manches aus Band 1 wird auch in diesem Buch erneut angeschnitten. Pilcher widmet sich dieses Mal den letzten 50 Jahren der Geschichte des Erotischen Comics und zwar in folgenden Kapiteln:
US-Comics
Schwule & lesbische Comics
Europäische Comics
Japanische Comics
Online-Comics
Das Buch ist eine Übersetzung aus dem Englischen, was die in englischer Sprache abgedruckten Strips von Ralf König dem Leser ins Gedächtnis rufen. Der Erfinder des bewegten Mannes hat es zu weltweitem Erfolg gebracht und bleibt damit, als Deutscher, ein Exot in diesem Buch. Ein Paradies für ästhetische Comic-Erotik scheinen Italien und Frankreich zu sein, mit Künstlern wie Milo Manara und Vittorio Giardino, zumindest sind das zwei meiner Favoriten aus Pilchers Bildband.
Allgemeine Informationen, etwa zum US-amerikanischen Comic Code und ganz besonders das hervorragende Vorwort von Alan Moore bieten nicht nur Erotik-spezifische, sondern ganz allgemeine, sehr spannende Erkenntnisse zum Thema Sequenzielle Kunst. Moores Argument, dass Comics die unschuldigste Form der Erotik sei, weil für ihre Herstellung all die negativen Aspekte der Erotik-Industrie wegfallen, erscheint mir einleuchtend. Ausserdem, so Moore, entfalle bei der gezeichneten Erotik das Lächerliche des Aktes, wie aneinanderklatschende Haut und unvorteilhafte Gesichtsausdrücke - auch das ist eine sehr treffende und überaus amüsante Beobachtung des Watchmen-Autors.
Die Mischung Bilder und Texte hält sich in diesem Buch die Waage. Manche Ausführungen könnten zweifellos ausführlicher sein, etwa über einen meiner Lieblingsautoren wie Garth Ennis und sein Werk Preacher hätte ich gerne mehr gelesen. Neben Altbekanntem wie den Heavy Metal Alben (oder Metal Hurlant, wie diese von Genies wie Moebius geschafffenen Hefte in Frankreich hiessen) konnte ich auch viele, mir unbekannte, Künstler kennenlernen. Ein überaus inspirierendes Buch! Rob Zombie, der in diesem Buch auch zu Wort kommt, hat völlig recht: wer sich bei der heutigen Vielfalft an interessanten Comics immer noch ausschliesslich auf Superhelden-Hefte beschränkt sorgt für Unverständnis und verpasst das Beste.
192 Seiten, Hardcover, Farbe, Vorwort von Alan Moore, Register, Übersetzung: Ursula Fethke, Knesebeck 2011