Eine Art Heiligtum ist dieses Madonna-Album für mich. Dadurch wurde ich 1992 zum entgültigen Fan von ihr. Es kam zu einer Zeit, als Madonna die Öffentlichkeit wieder einmal mit ihrer direkten und freizügigen Art provozierte. Wohl auch deshalb wurde es von der Kritik ziemlich zerissen und als Flop bezeichnet. Dabei verkaufte sich "Erotica" millionenfach und die Musik ist wirklich erstklassig. Während ihre Alben davor für mich zwar grandiose Einzeltitel enthielten, aber als Gesamtwerke unausgewogen wirkten, stimmt bei diesem Album eigentlich erstmals Alles. Die Songs passen gut zusammen, es gibt keinen Störfaktor auf der CD.
Erotica - Sinnlich, erotisches Feuerwerk. Madonna haucht die Strophen mit einer voll Erotik knisternden Stimme, dabei ist es nur eine Art Sprechgesang. Der Refrain ist dann ziemlich hoch gesungen, dazu einer schneller Beat, der durchaus auch gut tanzbar ist.
Fever - Ist hier ein cooler Dancehit. Dabei klingt "Fever" um Einiges moderner als das Original. Der Sound sehr technisch im Discostyle, Madonnna singt überzeugend.
Bye bye baby - This is not a lovesong. Mit verstellter, relativ hoher Stimme singt Madonna diesen Abgesang auf eine verflossene Liebe. Trotz des modernen Discosounds im Hintergrund, wirkt der Titel etwas wie aus den 50er oder 60er Jahren. Klasse-Song, der aber nicht auf Anhieb zündet.
Deeper an deeper - Ein herrlich tanzbarer Popsong. Etwas im Disostyle der 70er Jahre gehaltener Sound. Madonna singt gut und kraftvoll, die Melodie bleibt sofort hängen. Im Zwischenteil dann ein paar spanische Gitarrenklänge und gegen Ende ein paar Lyrics-Anleihen beim Megahit "Vogue". Hört man auch heute noch zu Recht oft im Radio.
Where life begins - Eingeleitet mit coolen Saxophonklängen. Madonna beglückt uns wieder mit ihrem Sprechgesang, der Refrain dann eine schön gesungene, eingängige Melodie. Schöner Mit-Tempo-Song der beruhigend wirkt.
Bad girl - Sehr schöne Ballade mit einer bewußt traurig klingenden Madonna. Der Song bleibt auch sofort hängen, die Melodie will einfach nicht mehr aus dem Kopf. Tipp: Unbedingt das Video zum Titel einmal ansehen, eines der besten Madonna-Videos mit Christopher Walken.
Waiting - Etwas jazzig angehaucht klingt Madonna hier wieder sehr sexy. Die Strophen sind ähnlich wie bei "Erotica" mit tiefer Stimme dahingesprochen. Der Sound hat etwas von Nachtclubatmosphäre. Sehr sinnlicher Song.
Thief of hearts - Gut tanzbarer Discosong mit dezentem Bass und Elektrosound. Wirkt auch gleich vertraut.
Words - Nach einer ruhigen, kurzen Einleitung nimmt der Titel sofort Fahrt auf. Eigentlich ein klassischer Popsong, der zudem gut tanzbar ist, etwas im Stil von "Deeper and deeper". Sehr schöner Zwischenteil, in dem der Sound reduziert wird und Madonnas Stimme sehr schön z.T. mehrstimmig zu hören ist.
Rain - Der ewige Klassiker aus dem "Erotica" Album. Einfach zauberhaft diese Ballade. Madonna singt hier wirklich sehr gut. Tiefe Töne, hohe Töne hier beweist sie, dass sie es wirklich kann. Spätestens beim Zwischenteil ("here comes the sun") ist man dann vor Begeisterung völlig dahin geschmolzen.
Why's it so hard - Ein weiterer toller Popsong. Bei den Strophen vollbringt Madonna eine Art gesangliche Akrobatik. Der Hintergrundsound ist eigentlich fast wie bei "Erotica" nur einen Tick langsamer. Coole Männerstimme im Hintergrund bei der Überleitung zum Refrain.
In this life - Ist eine etwas schwermütige, melancholische Ballade. Liegt wohl am traurigen Thema (Tod eines guten Freundes). Sehr gut und mit viel Gefühl gesungen. Besonders gefällt mir der lange Ausklang des Titels, wo man den Schmerz in Madonnas Stimme richtig hören kann.
Did you do it - Ob dieser Song nun auf dem Album sein musste? Naja, ich weiß nicht. Rapper führen durch den Song. Der Refrain besteht aus einem Sample von "Waiting", wobei Madonna nur ansatzweise zu hören ist. Mich überzeugt das nicht.
Secret garden - Das ist nochmal ein Highlight am Ende des Albums. Mit Klavier eingeleitet und einem coolen Jazzsound im Hintergrund flüstert uns Madonna die Lyrics zu. Der Refrain ist genial simple und reißt einen sofort mit.
Nach 14 Titeln und 75 Min. 24 Sek. ist das Album nun vorbei. Was auffällt ist, dass die Songs ziemlich lang sind, nur weinige unter 5 Minuten. Dies wirkt aber nicht negativ, im Gegenteil die meisten Titel konnten sich durch die Länge erst richtig gut entfalten.
Das Artwork und die Bilder des Albums wirken sehr erotisch und provozierend, in keinster Weise billig und plump. Überhaupt läuft Das, was 1992 noch provozierte, heutzutage schon am frühen Nachmittag auf jedem Fernsehsender. Madonna hatte halt den Mut Es als eine der Ersten zu zeigen. Eigentlich kein Aufreger, heute so wie damals.
Auf alle Fälle sollte man dieses Album zuerst hören, ehe man voreilig darüber urteilt. Aus meiner Sicht ein sehr gelungenes Werk.