Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 27.11.2001
Seltsam: In seinem Geleitwort nimmt der Lehrmeister des Autors mögliche Einwände gegen das Buch bereits vorweg. Gut für Rezensentin Hannelore Schlaffer. Sie braucht also nur bei Mircea Eliade nachzuschlagen, um sagen zu können, der größte Teil der vorliegenden Arbeit sei mit dem verwendeten historischen Material längst geleistet worden. Genau wie sie auch herausgefunden hat, dass Culianu bei seinem Versuch, dem Übergang der antiken Liebeslehre ins magische Weltbild der Renaissance nachzugehen, zwar recht "eigenwillig" verfährt, die mittelalterliche Minnelehre "zum Beispiel" allerdings kaum je in sichtbaren Zusammenhang zu stellen vermag mit der Magie der Renaissance. Und noch etwas: Die Gelehrsamkeit bitteschön nächstes Mal "an die Zeit des Lesers" heranführen, wenn der die behauptetete Kontinuität der Magie auch schlucken soll.
© Perlentaucher Medien GmbH
Kurzbeschreibung
Was ist Magie, gibt es sie wirklich, und wenn ja, wie funktioniert sie? Diesen und anderen Fragen geht der Religionswissenschaftler Ioan P. Culianu in seinem Buch Eros und Magie in der Renaissance nach.
Gerade jene Epoche, in der die neuzeitlichen Naturwissenschaften entstanden, hat der Magie besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die dort entwickelten Theorien des Vorstellungsvermögens, der Phantasie, der inneren Bilder - und ihrer Manipulierbarkeit - wirken, so Culianu, bis in die Gegenwart, bis in unsere Informationsgesellschaft nach. Magie ist unvermindert, wenn auch verdeckt wirksam, in der Lenkung unserer unbewußten Wünsche und Sehnsüchte durch Ideologien, Medien und Werbung.
Seine Thesen belegt Culianu anhand der Renaissance-Philosophen Giordano Bruno, Marsilio Ficino und Pico della Mirandola und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen: Die Renaissance-Philosophie hatte, auf antike Traditionen zurückgreifend, die Einwirkung von Eros und Magie auf das Leben des einzelnen und der Gesells chaft untersucht: Alles kann durch suggestive, erotisch aufgeladene Vorstellungen manipuliert werden. In der Gegenwart erscheint der "Magier" freilich in neuer Gestalt, als demagogischer Verführer, als esoterischer Guru oder anonym als meinungslenkender Brain Trust.
Nach Brunos Tod haben Reformation und Gegenreformation Eros und Magie massiv unterdrückt und die Kultur der Renaissance zerstört. Dies wurde lange Zeit als innovativer Akt verstanden, der den exakten Wissenschaften und der Technik zum Durchbruch verholfen hat. Heute aber sind die Defizite einer eindimensional instrumentellen Verstandeskultur sichtbar geworden. Eros und Magie in der Renaissance, ein Standardwerk zur Frühen Neuzeit, hat zu diesem Umdenken beigetragen; seine Thesen sind auf verblüffende Weise aktuell.