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Eros und Evolution. Die Naturgeschichte der Sexualität.
 
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Eros und Evolution. Die Naturgeschichte der Sexualität. [Broschiert]

Matt Ridley
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Broschiert: 550 Seiten
  • Verlag: Droemer Knaur (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426773155
  • ISBN-13: 978-3426773154
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 350.658 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Weshalb ist die menschliche Natur so, wie sie ist? Am Ende des ersten Kapitels seines Buches Eros und Evolution, stellt Matt Ridley David Humes größte aller Fragen. Da bekomme ich gleich das Zittern in den Knien und möchte all Ridleys Beweisführung überspringen, möchte hechten bis zum letzten Satz des Traktats, um endlich verdammtnochmal zu erfahren, was es mit meiner Natur an sich hat. Doch eins habe ich schon gelernt in dieser Welt: Auf diese Art werde ich nie erleuchtet werden. Es gibt keine einfachen Lösungen... und wenn doch, dann sind sie nichts wert: "Ein komplexes Problem hat immer eine einfache Lösung, und die ist falsch" (Umberto Eco). So muß ich jeden Satz des 464seitigen Buches ordentlich durchkauen, seine Essenz in meine Gehirnzellen einschließen, Satz für Satz, bis ich das ganze Werk intus habe. Erst dann werde ich vielleicht etwas mehr wissen als vorher. Nur ein klein bißchen etwas mehr... Wenn das Buch gut ist. Und Ridleys Buch ist es. Schon lange habe ich nicht ein so lebendiges populärwissenschaftliches Werk gelesen. Zum Beispiel erklärt Ridley den Vorteil der individuellen Selektion gegenüber der Gruppenselektion mit einer Anekdote:

Es gibt die alte Geschichte von einem Philosophen, der wegrennt, als er und sein Freund von einem Bären bedroht werden. "Das nützt nichts, du wirst niemals schneller sein als der Bär", sagt sein logisch denkender Freund. "Das muß ich auch gar nicht", antwortet der Philosoph. "Ich muß nur schneller sein als du."

Dieser Witz spricht tatsächlich eins der wesentlichen Prinzipe der Evolutionstheorie an: Der schnellere Philosoph wird länger leben und somit auch mehr Nachkommen in die Welt setzen als sein toter Freund. Irgendwann werden dann auf der Welt lauter schnelle Philosophen herumlaufen. Und weil der Philosoph zuerst sich selbst retten will und nicht seinen Freund, heißt das Ergebnis des Rennens Individualselektion. Ridley hält nicht viel von der Gruppenselektion, und Altruismus bei Tieren sieht er als ein Mythos an. In vielen Abschnitten liest sich Eros und Evolution wie ein Affront gegen unsere hübschen Ideale. Selbst ich schrecke manchmal vor so viel Mut zur sozialdarwinistischen Erklärung zurück. Darwin hätte wahrscheinlich dasselbe Problem gehabt. Doch Ridley sagt nicht: "Die Natur ist gut." Ridley sagt: "Die Natur ist so."

In seinem Buch geht Ridley vor allem zwei Fragen nach: Warum gibt es überhaupt Sexualität in der Natur und warum haben wir Menschen zwei Geschlechter? Im ersten Teil des Buches schmettert Ridley eine alte Theorie der Existenz der Sexualität nach der anderen ab. Am Ende läßt er nur das Gesetz der Roten Königin gelten, das sich vor über 20 Jahren Leigh Van Valen ausklügelte: Sexualität entwickelte sich in der Natur, um die Organismen gegen Viren, Bakterien und Pilze zu schützen -- das heißt gegen Parasiten. So wie die Rote Königin in Lewis Carolls Alice hinter den Spiegeln ständig läuft und trotzdem nicht von der Stelle kommt, so versuchen wir, die Wirte, den Parasiten davonzulaufen, die es auf uns abgesehen haben. Dank der Sexualität werden unsere Gene immer von neuem gemischt. Weil Parasiten aber viel kürzere Generationsdauer haben als wir Menschen und andere Tiere, können sie sich an diese Veränderungen schnell anpassen. Unsere Nachkommen müssen ihre Gene also wieder mit anderen Artgenossen tauschen, um neue Abwehrstrategien gegen Parasiten zu entwickeln. Ridley untermauert seine Argumentation mit zahllosen Beispielen aus der Biologie. Und immer wieder tauchen im Buch die Egelartigen Rädertierchen auf, die es miteinander überhaupt nicht treiben (also keine Gene tauschen) -- sie vermehren sich asexuell -- und trotzdem seit Millionen Jahren dem Aussterben trotzen: Gegen die Egelartigen Rädertierchen haben die Parasiten keine Chance. Einer der bekanntesten Evolutionstheoretiker John Maynard Smith sagt: "Die Existenz der Egelartigen Rädertierchen ist ein evolutionärer Skandal." Eine neuere Hypothese behauptet, die Egelartigen Rädertierchen werden die Parasiten los, indem sie von Zeit zu Zeit fast vollständig austrocknen, ohne dabei zu sterben. Alle Arten, die ihr Wassergehalt so weit reduzieren können wie die Rädertierchen (um die 90%), kennen keine Sexualität.

Ich kann mir vorstellen, daß Ridley gleich im ersten Kapitel die Idealisten unter uns abschreckt, wenn er zum Beispiel schreibt: "Männer besitzen ein aggressiveres Wesen, weil Frauen dies immer bevorzugt haben (beziehungsweise aggressiven Männern erlaubt haben, andere Männer im Wettbewerb um Frauen zu übertreffen -- das läuft auf dasselbe hinaus)." Sicher werden viele Menschen am zweiten Teil des Buches hart zu kauen haben. Dort verläßt Ridley den Reich der Tiere und versucht das menschliche Verhalten, vor allem die Beziehung zwischen den Geschlechtern zu erklären -- ausschließlich aus der sexuellen Selektion heraus. Mag sein, daß Ridley die Bedeutung der Selektion für die kulturelle Evolution etwas übertreibt, diskussionswert sind seine Meinungen auf jeden Fall. So erfahren wir bei ihm auch allen möglichen Irrsinn aus der Geschichte der menschlichen Sexualität. Zum Beispiel über das ewige Bestreben, das Geschlecht der eigenen Kinder zu beeinflussen: "Anaxagoras' Überzeugung, man würde Knaben zeugen, wenn man den Geschlechtsverkehr auf der rechten Seite liegend vollzöge, war von solch immensem Einfluß, daß sich Jahrhunderte später ein paar französische Adlige den rechten Hoden entfernen ließen." (Ich persönlich verstehe sowieso nicht, warum sich Eltern vor allem Knaben wünschen. Mir würden mehr Frauen auf den Straßen viel besser gefallen.) Doch nicht immer kann man lachen über unsere Idiotie, manchmal möchte man nur schreien und nie aufhören: "Zwischen 1979 und 1984 wurden in China mehr als 250.000 weibliche Säuglinge unmittelbar nach der Geburt getötet. In manchen Altersgruppen kommen in China auf 100 Mädchen 122 Jungen."

Ridley diskutiert in Eros und Evolution alles, was nur im entferntesten mit der Sexualität, dem Kampf der Geschlechter und dem Unterschied zwischen den Geschlechtern zu tun hat: das Geschlecht des Verstandes, Gleichheit oder Gleichwertigkeit der Geschlechter, Feminismus, Rassismus und Sexismus, Homosexualität, Weshalb reiche Männer schöne Frauen heiraten, Schönheit, Statusbewußtsein, Machtdenken, Erworbenes und Angeborenes, Jugendbesessenheit und vieles andere.

Bis ich Ridleys Buch las, wußte ich zum Beispiel nicht, warum junge Frauen eine schlanke Taille haben, warum sich bei ihnen mehr Fettgewebe auf Brust und Gesäß befindet als an anderen Teilen ihres Körpers. Ältere Frauen, junge Mädchen und Männer jeden Alters verteilen ihr Fettgewebe dagegen viel gleichmäßiger auf Rumpf und Gliedmassen. Dieses Problem untersuchte Bobbi Low von der University of Michigan. Ihre Hypothese, die einen großen Anstoß erregte: "Frauen würden mit diesen Rundungen möglicherweise den (falschen) Eindruck vermitteln, milchgefüllte Brüste und ein weites Becken zu haben." Um uns Männer durch dieses Gebärpotential anzulocken. Schlau, schlau. Doch Männer waren im Laufe der Evolution auch nicht ganz blöd. Ridley schreibt:

Der männliche "Gegenangriff" im Sinne der Evolution bestand darin, eine schmale Taille "zu fordern", sozusagen als Beweis für die Tatsache, daß bei einer Frau wenig Unterhautgewebe vorhanden ist. Die Frauen allerdings haben dies problemlos unterlaufen, indem sie die Fähigkeit entwickelten, Fettgewebe anzulagern und die Taille dennoch schmal zu halten.

Ihr müßt keine Angst haben, meine lieben Leser, vor dieser Entzauberung der Sinne. Auch ich falle trotz meines jetzigen Wissens auf diese weibliche Strategie weiter ein. Zum Beispiel gestern: Auf dem Marienplatz sah ich eine junge Frau mit prächtigen Brüsten und noch prächtigeren Hüften. Obwohl mir nach dem Durchlesen von Eros und Evolution gleich klar war, daß das alles Fettpolster waren, daß mich die Frau nur täuschen wollte, wie leicht sie hätte Kinder gebären und ernähren können, war ich ganz hingerissen von diesem Anblick. Ich hätte keine Sekunde gezögert, "Ja" zu sagen, wenn sie mich nur eines einzigen Blickes gewürdigt hätte. Trotz meines Wissens ziehen mich also die prachtvollen Brüste und Hüften weiterhin in ihren Bann. Hier sehen wir, daß bei uns Sex mit Kindermachen nur wenig zu tun hat. Schon vor langem haben wir gelernt, unsere Gene in Schach zu halten, wenn sie in die Population drängen wollen. Wir Christen sind halt über unsere Reproduktionstriebe hinausgewachsen -- uns macht das Ficken tatsächlich Spaß! -- Ah, je! Jetzt drifte ich schon bei einer wissenschaftlichen Diskussion in gewohnte Gefilde ab. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als Schluß zu machen, bevor ich hier wieder ein paar schamlose Peinlichkeiten hinschreibe. Und da von mir sowieso nichts Profundes zu erfahren ist, müßt ihr Eros und Evolution selbst lesen. Etwas Bildung über unsere Triebe kann euch sowieso nicht schaden. Ihr solltet bedenken: Vielleicht kommen mal Zeiten, in denen wir über diese ganzen hübschen Dinge tatsächlich nur reden dürfen. --Jaromir Konecny

Kurzbeschreibung

Eros und Sexualität sind die Grundkräfte, die das Schwungrad der Evolution in Gang halten. Und sie bilden auch den Schlüssel für das Verständnis der menschlichen Natur: für Handlungen, die oft nur scheinbar rational begründet sind, für Verhaltensweisen, die uns nicht einsichtig sind, und für die vielen kleinen Unzulänglichkeiten, die auch zu unserer Natur gehören.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Red Queen Rennen 4. Dezember 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist ein faszinierendes Buch über Evolution und Sex. Er untersucht wie sich die Evolution auf Menschen und Tiere ausgewirkt hat, stellt Vergleiche an und zieht verblüffende Schlüsse.

Der englische Buchtitel heisst Red Queen. Mit einem "Red Queen Rennen" ist gemeint, dass man sich dauernd weiterentwickeln muss, um im Vergleich zu den anderen am gleichen Ort bleiben. Es geht um die sexuelle Selektion und um das Überleben der eigenen Spezies.

Matt Ridley beantwortet unter anderem folgende Fragen:
Warum haben wir Menschen überhaupt Sex?
Warum besitzt der Pfau riesige Schwanzfedern?
Warum ist die Natur des Mannes die Polygamie?
Warum ist die Natur der Frau die Monogamie?
Wo liegt der Unterschied zwischen dem männlichen und dem weiblichen Gehirn?
Was ist das Schönheitsideal einer Frau?
Warum haben Menschen ein so grosses Gehirn?
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Hochinteressant und kurzweilig 15. Dezember 2007
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Format:Broschiert
Ein hochinteressantes und kurzweiliges Buch zur Bedeutung der Sexualität im Rahmen der Evolution. Der Autor wartet mit zahlreichen interessanten Aspekten auch zum Verhalten der Geschlechter auf, die so manches Schmunzeln hervorrufen dürfte.
Empfohlen werden kann das Buch auch für alle diejenigen, die sich Gender Mainstreaming auf die Fahnen geschrieben haben: Es dürfte sie ernüchtern.
Ferner eignet es sich hervorragend als Ergänzung zu Geoffrey F. Miller: "Die sexuelle Evolution".
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