Klettere inzwischen über 20 Jahre und habe das Buch von einem Freund empfohlen bekommen. Im allgemeinen erzählt die alpine Literatur Geschichten von Personen ohne Wenn und Aber und persönlichen Kämpfen(wie der Untertitel zur Biographie über Reinhard Karl). Nun, die Geschichten hören immer dann auf, wenn die Protagonisten ins bürgerliche Leben zurückkehren. Davon handelt nämlich diese Geschichte, die ja keine Geschichte im eigentlichen Sinne ist, sondern ein persönliches Schicksal, das normal ausgeblendet wird, da es keinen Siegertypen gibt.
Aus Erfahrung weiß ich, dass die Vorgeschichte aller Kletterer immer gleich ist: Das Kletterfieber wird so stark, dass Klettern Lebensentwurf wird - egal welche Sozialisierung dahintersteckt. Kletterer zu sein bedeutet nicht selten, sich für einen bestimmten Lebensstil zu entscheiden (und gegen andere). Manchmal - wie bei Thomas Hrovath - fällt der Entwurf in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Von einem Tag auf den anderen, allen ignorierenden Selbsttäuschungsmanövern zum Trotz. Das Ergebnis: existentielles Vakuum (Bezeichnung aus dem Buch) und Desorientierung im Alltag.
Wer mehr über das Klettern erfahren will, als in den Bildbänden dargeboten wird, sollte dieses Buch unbedingt lesen. In den 80ern habe ich ihn am Felsen kurz kennengelernt, dann war er verschwunden. Weg! Ich kann vor seiner Aufrichtigkeit nur meinen Hut ziehen. Für mich ein anderes Kapitel der alpinen Literatur.