"Ernste Männer" ist der erste Roman, den ich von einem indischen Schriftsteller gelesen habe. ("The God of small things" steht auch noch im Bücherregal.) Nicht der erste Roman über Inder und Indien, diesen Kulturkreis haben ja auch andere, von mir gelesene Autoren behandelt, von Hesse bis Irving. Manu Joseph arbeitet als Journalist, war unter anderem tätig für die "Times of India" und die "New York Times", und legte mit Ernste Männer" seinen ersten Roman vor. Und das gleich weltweit. Man kann davon ausgehen, dass Joseph eine Menge eigene Erfahrungen literarisch aufgearbeitet hat.
Im Mittelpunkt steht vor allem ein intelligenter Mann (Mitglied bei MENSA) aus der Unterschicht, Ayyan Mani, der mit seiner kleinen Familie, Frau und Sohn, auf 14 Quadratmeter in einem riesigen Wohnkomplex lebt. Komfort ist ein Fremdwort für die drei und der Wille, aus dieser trostlosen Sackgasse auszubrechen, nachvollziehbar. Mani arbeitet in einem Forschungsinstitut als Chefsekretär des Institutsleiters Dr. Arvand Acharya, dessen vorrangiges Ziel und Projekt der Beweis ist, dass alles Leben auf der Erde in Wahrheit von außerhalb unseres Planeten stammt, der aber ebenso nachdrücklich die Existenz extraterrestrischer Intelligenz ablehnt. Manu ist nahe dran an den Interna des Forschungsinstituts, an Machtkämpfen und Intrigen. Auch weil er illegale Methoden nutzt, seinen Chef und dessen Besucher abhört oder interne Dokumente verwendet. Als Mittel zum Zweck des gesellschaftlichen Aufstiegs verwendet Manu seinen zehnjährigen Sohn Adi, dessen außergewöhnliche intellektuelle Fähigkeiten er inszeniert und so weit übertreibt, bis es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt.
Zweite Hauptfigur im Roman ist der Institutsleiter Arvand Acharya, seine isolierte Stellung, seine Beziehung zu seiner Ehefrau und schließlich auch eine fatale Affäre, die seine Existenz und letztendlich auch sein Leben bedroht. Auf einen solchen Fehltritt hat manch einer am Institut, der andere Ziele und andere Vorstellungen hat, nur gewartet.
Die Story ist spannend geschrieben, wenn auch im Mittelteil nicht ohne Längen. Die indische Gesellschaft wird verhältnismäßig unaufgeregt geschildert, wenn auch immer wieder das Kastendenken kritisch geschildert wird. Ein schöner Plot am Ende des Romans trug seinen Teil bei zu guten vier Sternen in meiner Bewertung. Eine durchaus empfehlenswerte Lektüre.