"The Importance of Being Earnest" bzw. "Ernst sein ist alles" ist (nicht nur meiner Meinung nach) die beste Komödie, die Oscar Wilde geschrieben hat. Wie immer ist es auch hier die feine englische Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts, über die Wilde sich mockiert. Anders als in seinen anderen (ebenfalls brillianten) Stücken sind hier jedoch nicht bloß die Charaktere herrlich oberflächlich, sondern auch ihre Probleme. Zentrales Problem: Was tut man, wenn man allein des Umstandes wegen, dass man den wunderbaren Namen Ernst (!) trägt, geliebt wird, tatsächlich aber nicht Ernst heißt? Von diesem tragischen Schicksal sind in diesem Film gleich zwei falsche Ernste betroffen - selbstverständlich eigenverschuldet. Unglücklicherweise halten sich die beiden falschen Ernste dann auch noch an ein und demselben Ort auf, an dem sich außer ihnen noch ihre beiden herrlich oberflächlichen Verlobten befinden. Diese Verlobten wissen nun widerum jeweils von dem Ernst, mit dem sie nicht verlobt sind, dass er nicht Ernst ist. Dumm gelaufen für die falschen Ernste. Sie fliegen auf und drohen die Liebe ihrer Verlobten zu verlieren. Da hilft nur noch eins: ab zum Taufbecken...
Ob es tatsächlich soweit kommt, wird hier der Spannung wegen natürlich nicht verraten :-). Nur soviel: Selbstverständlich fehlt diesem Stück nicht das obligatorisch kitschige Ende.
Nach "An Ideal Husband" ist "The Importance of Being Earnest" bereits das zweite Stück, das Oliver Parker blendend umsetzt. Erneut spielt Rupert Everett eine der Hauptrollen, die andere spielt Colin Firth. Beide wissen als falsche Ernste zu überzeugen, wobei Everett der Charmantere und Firth der Englischere von beiden ist. Die oberflächlichen Verlobten werden von Reese Witherspoon (ohne ihren amerikanischen Akzent) und Frances O'Connor überzeugend gespielt, Witherspoon ist die niedlichere Jüngere, O'Connor die bissigere Ältere. Am bissigsten und ältesten ist allerdings immer noch Judi Dench, die den Hausdrachen Tante Augusta spielt, der den Ernsten noch zusätzlich das Leben schwer macht.
Insgesamt also ein geniales Stück, dass mit guten Schauspielern vor sehr englischer Kulisse zu einem ausgesprochen gelungenen Film umgesetzt wurde. Meine Empfehlung: vor oder nach dem Film das Stück lesen! Es ist übrigens sehr kurz und liest sich sehr schnell :-)