4 Sterne, sowohl für den Film "Sohn seiner Klasse" als auch für "Führer seiner Klasse".
Die Wertung fiel mir jedoch nicht ganz einfach:
Ich mag die Filme deswegen, weil sie von der Geschichte der deutschen Arbeiterklasse von Ende des 1. Weltkriegs bis zum Ende des Zweiten erzählt.
Dass die Filme schon über 50 Jahre auf dem Buckel haben merkt man meist nur an den fehlenden Effekten.
Mein Hauptkritikpunkt geht aber an die Übertreibung der Rolle Thälmanns zur damaligen Zeit, als ob ohne Thälmann nichtmal ein Streik funktioniert hätte bzw., dass eine Avantgarde im Sinne einer Kommunistischen Partei die einzige und wahre Lösung bzw. Weg zum Sozialismus bzw. später dann zum Wegfall der Klassen und Absterben des Staates zum Kommunismus.
Hinzu kommt noch, dass man dem Film seinen stalinschen Unterton deutlich ansieht (z.B. schlicht fehlende Reflektion der deutschen Kommunisten/Der KomIntern, sondern einfach Hochstilisierung Thälmanns zum Helden der deutschen Arbeiterklasse oder die Rolle der SPD im Bezug auf die "Einheitsfront" gegen die Faschisten).
Was jedoch auch kein Wunder ist, schließlich wurde die Produktion des Filmes von der DDR unter Walter Ulbricht in Auftrag gegeben und ständig überwacht und kontrolliert von übermäßiger Reflektion oder Selbstkritik braucht man also nichts erwarten.
Mich hätte es zumindest gewundert, wenn Stalinisten (ob man den Begriff nun gebrauchen mag oder nicht ist auch wieder so eine Frage) ein so stalintreuen "Kommunistenführer" (whatever...) - zumindest zu dieser Zeit - kritisiert hätten.
Achtung: Der Film verwendet Stile, die mensch eventuell mit weniger Geschichts-/Hintergrundwissen leicht in die Irre führen kann.
Es werden oft Geschehnisse sehr überspitzt dargestellt (z.B. als die SPD zwar eigentlich getrennte Wege unter der schwarz-rot-goldenen Flagge als die Reaktionären unter der schwarz-weiß-roten Flagge auf dem Weg zur Wahl gehen, jedoch es in einer sehr krassen Weise dargestellt wird, dass sie praktisch für das Gleiche sind (dargestellt dadurch, dass beide Parteien ein großes Bild Hindenburgs mit sich tragen).
Was jedoch meiner Meinung dennoch nicht ganz unrichtig ist, jedoch sollte man sich den Film selber anschauen und sich selbst ein Bild davon machen, soviel kostet es ja dann auch nicht.
Soviel zu meiner Meinung.
Schwarz-Rote Freiheit, ahoi!