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67 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Pflichtprogramm für Stummfilmfans!, 24. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Ernst Lubitsch Collection (6 DVDs) (DVD)
Es wundert mich, dass die Ernst Lubitsch Collection noch niemand rezensiert hat. Dann werde ich jetzt mal den Anfang machen.
Wenn es um die größten Regisseure der Pionierzeit des deutschen Films geht, dann fallen immer wieder 3 Namen: Fritz Lang, F. W. Murnau und Ernst Lubitsch. Leider sind die deutschen Stummfilme Ernst Lubitschs zu Unrecht nicht ganz so bekannt, wie die der beiden anderen Regisseure. Das liegt daran, dass Lang mit Metropolis und Murnau mit Nosferatu einen Vorzeigefilm in ihrem Werk haben, den jedes Kind kennt und wohl auch daran, dass Lubitsch als Jude bereits in den frühen 20er Jahren Deutschland verlassen hat und mit "Sein oder Nichtsein" in Hollywood sein Vorzeigewerk ablieferte. Dass seine frühen deutschen Werke aber alles andere als schlecht sind, beweist diese Kollektion, die 5 seiner besten Werke beinhaltet. Im folgenden gehe ich auf die einzelnen Filme ein:
"Ich möchte kein Mann sein" erschien 1918 und wurde noch während des 1. WK produziert. In der Hauptrolle Ossi Oswalda, die durch ihre Zerstörungsorgien berühmt wurde. Wie der Titel schon erahnen läßt geht es hier um Geschlechterrollen und Verwechslungen. Der Film dauert nur 45 Minuten und ist sehr kurzweilig und amüsant. Natürlich muß man aber auch sagen, dass in der heutigen Zeit, in der homosexuelle und transsexuelle Menschen ihre Gleichberechtigung erlangt haben, der Skandal den dieser Film damals für die Menschen darstellte nur noch schwer nachzuvollziehen ist.
"Die Austernprinzessin", 1919, 60 Minuten lang, Hauptrolle wieder Ossi Oswalda. Um es mit einem Wort zu sagen: Genial! Dieser Film ist für mich neben Metropolis, Nosferatu und Caligari einer der 4 besten deutschen Stummfilme überhaut. Dieser Film alleine lohnt fast schon die Anschaffung der Box! Der berühmte Lubitsch Touch kommt hier erstmalig zum Vorschein. Ossi spielt die Tochter eines amerikanischen Austernmilliardärs und will auf Teufel komm raus einen Prinzen, denn die Tocher des Schuhcremekönigs hat einen Grafen geehelicht und Austern ist ja mehr als Schuhcreme!
Wieder kommt es zu verwechslungen, Lubitsch benutzt Übertreibungen und Überspitzungen und schafft hier eine glänzende Satire über das wohlhabende Amerika und den verarmten Adel Europas, bei der man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Teilweise derbe Komik, aber immer äußerst stilvoll präsentiert. Das Ende des Films ist - typisch Lubitsch - völlig unvorhersehbar und zum kaputtlachen. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass "Die Austernprinzessin" die beste deutsche Komödie ist, die ich bisher gesehen habe.
"Sumurun", 1920, 103 Minuten, u.a. mit Pola Negri, ist ein märchenhafter Film aus 1001 Nacht. 2 orientalische Scheichs lieben Sumurun, bis eine Tänzerin in der Stadt auftaucht, die die Liebe des jungen und das Geld des alten Scheichs begehrt und damit ein gefährliches Spiel beginnt. Der Film wirkt auch heute noch sehr romantisch, die Bilder sind viragiert. Viele Verwicklungen und ein in einer Kiste durch den Film geisternder Scheintoter sorgen für Spannung.
"Anna Boleyn", 1920, 118 Minuten, u.a. mit Emil Jannings als König Heinrich VIII von England (diese Rolle ist ihm auf den Leib geschneidert), ist ein großes Historienepos, über das Schicksal von Anna Boleyn. Diese stieg unter Heinrich VIII, der bekanntlich 8 Frauen hatte und mit der katholischen Kirche brach, zur Königin von England auf, wurde aber, nachdem sie keinen männlichen Thronfolger zur Welt brachte unter heuchlerischen Vorwänden enthauptet. Anna Boleyn war der seinerzeit teuerste deutsche Film und hat viragierte Bilder.
"Die Bergkatze", 1921, 82 Minuten, Hauptrolle Pola Negri ist eine sehr seltsame, märchenhafte Komödie, hat auch was von einem Kunstfilm. Im Gegensatz zu den anderen Filmen war dieser Film bei seinem Erscheinen ein Flop. Dennoch hielt ihn Lubitsch für eine seiner besten Arbeiten. Der Frauenschwarm Alex wird in eine andere Festung strafversetzt und soll da in den Kampf gegen die Räuber ziehen. Obwohl einer Heirat mit der Tocher des Festungskommandanten droht und Alex nicht ihr, sondern der Bergkatze, einer Räubertochter zugetan ist, erfüllt er den Auftrag... Die Bauten und Dekorationen sind sehr unrealistisch und das Ende des Films auf sehr seltsame Weise überraschend. IMO ein nicht schlechter, aber eher gewöhnungsbedürftiger Film.
Zum Bonusmaterial: Zu zwei Filmen gibt es einen Audiokommentar: "Die Austernprinzessin" und "Anna Boleyn". (Gut gewählt!) Ferner gibt es eine große Dokumentation über Ernst Lubitsch auf der sechsten DVD, die sein ganzes Leben Revue passieren läßt. Auch sehr schön. Daneben die üblichen Zugaben wie Bildergallerien und Biografien zu jedem Film. Die Optische Qualität ist bezogen auf das Alter der Filme sehr sehr gut, die Musikuntermalungen von 4 verschiedenen Stummfilmkomponisten sorgen für Abwechslung, wobei auch hier Aljoscha Zimmermann in der "Austernprinzessin" mein Favorit ist.
Fazit: Jeder, der Stummfilme mag, sollte sich diesen Überblick über das Schaffen eines der großartigsten Regisseure nicht entgehen lassen. Die Sammlung ist ihren Preis zweifelsfrei wert. Absoluter Kauftipp!
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Tolle Filme in toller Aufmachung, 23. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Ernst Lubitsch Collection (6 DVDs) (DVD)
Die erste Rezension kann ich nur voll und ganz unterstützen.
Jeder Film ist ein Juwel. "Ich möchte kein Mann sein" und "Die Austernprinzessin" sind mit ihren Übertreibungen nur komisch. Besonders "Die Austernprinzessin" schwelgt in Übertreibungen und übertrifft darin sogar "Die Bergkatze", die darin auch nicht sparsam ist.
"Anna Boleyn" ist allein schon wegen Emil Jannings als Heinrich VIII. sehenswert.
Allen Filmen gemein ist die sehr gute Qualität der Restauration/Kopien. Die Schwarz-Weiß-Szenen bestechen durch guten Kontrast, selbst die viragierten Teile sind gut (was bei Stummfilmkopien nicht selbstverständlich ist). Die Musik ist bei allen Filmen sehr passend.
Die Extra-DVD mit ihrer Dokumentation ist sehr informativ und gut gemacht. Die kurzen Informationen zu den Schauspielern auf den Film-DVDs finde ich ebenfalls gut gelungen, besonders da Wiederholungen in der Regel vermieden werden.
Kurz: die Box ist nur zu empfehlen.
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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
meisterleistung, 27. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Ernst Lubitsch Collection (6 DVDs) (DVD)
Ich möchte mich meinem Vorredner eigentlich nur anschließen, jeder Freund des Stummfilms sollte diese DVDs besitzen. Die Filme sind Meisterwerke. Sicherlich hat Lubitsch seinen berühmten Lubitsch-Touch erst richtig in Hollywood zur Vollendung gebracht, am deutlichsten wird das wohl in "Ninotschka". Aber in seinem Frühwerken ist er schon zu spüren. Wie es für Hitchcock die typische "Suspense" gibt, hat Lubitsch sein eigenes Prädikat. (Was für mich immer ein wenig auch als "edle Komödie" bezeichnet werden könnte.) Natürlich war der Meister in vielen Genres zu Hause. Doch erst in seinen Lustspielen kam sein Können zur Entfalltung. Es heißt nicht umsonst: Eine Tragödie ist etwas fürs Herz, eine Komödie ist etwas für den Kopf. An dieser Stelle muss ich unbedingt die technische Ausstattung dieser wirlich alten Filme loben, sie wurden einwandfrei restauriert. Man kann nur hoffen, dass die F.W.Murnau-Stiftung noch andere Boxen der Meister des deutschen Films folgen lassen!
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