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4.0 von 5 Sternen
Eine fast gelungene Biographie, 26. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Ernst Kaltenbrunner (Gebundene Ausgabe)
Gesamt betrachtet ist Peter Blacks Darstellung des Heydrichnachfolgers Ernst Kaltenbrunner gelungen. Interessant sind vor allem die historischen Ausflüge in Kaltenbrunners Jugend, die Beschreibung seiner politischen Anfänge und auch seine moralischen Verfehlungen gegenüber seiner Frau- Geliebte, die von ihm Zwillinge gebar. Sein Charakter wird sehr gut herübergebracht, der nach Macht strebende Mann wird deutlich dargestellt, ein Mann, der sich mit dem Teufel verbündete um herrschen zu können, sei es auch direkt in dessen Hölle. Was weniger gefällt oder vielmehr zu kurz beschrieben wird, ist Kaltenbrunners Auftritt in Nürnberg. Wer wie ich den gesamten Prozess gelesen hat, also 22 Bände, hat noch ein anderes Bild von Kaltenbrunner, nämlich das eines pathologischen Lügners, der allen die Schuld gibt: Den Toten Hitler und Himmler, seinem Vorgänger Heydrich, seinen Untergebenen Müller und Eichmann. Sogar seine Mitgefangenen fanden sein schon lächerliches Leugnen untragbar, bei den Richtern war er längst unglaubwürdig, noch bevor seine Vernehmung durch den amerikanischen Ankläger Amen begann. Kaltenbrunner wollte den Gerichtshof und alle Welt glauben machen, dass er, der Chef des Reichssicherheitshauptamtes, dem die Gestapo, die SS und der SD unterstand, nichts von dem Genozid an den Juden gewusst hatte und -fast noch schlimmer-als er ein Jahr gebraucht hatte und angeblich endlich merkte(!), was seine bösen Untergebenen so treiben, habe er energisch bei Hitler vorgesprochen, mit dem Erfolg, dass die Judenvernichtung sofort eingestellt wurde. ( Obwohl schon im Prozess deutlich wurde, dasss er bis zuletzt Juden und KL- Gefangene umbringen ließ). E. K. verleugnete z. B. sogar seine eigenen Unterschriften auf deutschen Dokumenten. Das alles zeigt den labilen Charakter des einst so mächtigen Mann, ein Mann, der, zur Verantwortung gezogen zwar verständlicherweise um sein Leben kämpfte, aber derart haarsträubende Lügen erzählte, dass er schon deshalb jeden Kredit verspielt hatte. Das alles hätte im Buch besser ausgearbeitet werden können, darum nur vier Sterne.
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