Wer macht auf? Keiner. Aber unter der Woche kann man sein Domizil vormittags besichtigen.
Dies ist ein kleines Büchlein, dreißig schön gedruckte Seiten, dreiundvierzig Bilder,
für Leute, die schon alles über Jünger wissen, aber das Pech hatten, zu Lebzeiten nie
bei ihm eingeladen gewesen zu sein. Im Gegensatz zu Mitterand, Helmut Kohl, Rudolf Augstein ,
Heiner Müller oder Joachim Kaiser. Wer noch garnichts oder nur Verzerrtes über Jünger weiß,
wird über diesen kleinen Lebensabriß erfreut sein. Durs Grünbein hat einmal gesagt, sich über
Ernst Jünger zu äußern sei etwa so wie als Laie sich in ein Terrarium voller Giftschlangen zu
begeben. Die Giftschlangen sind Menschen wie Sie und ich.
Theodor Heuss hat ihn beschrieben als 'eine fast schüchterne Natur mit altfränkischer Höflichkeit
und gut durchgebildetem Kopf'.
In einem Brief , nicht in diesem Buch, schreibt er,
'Er hat die Handschrift einer gepflegten alten Dame...ich sagte ihm das auch. Vermutlich ist er
in zarter Weise musikalisch'.
'Der Geist will ständig beschäftigt werden', so der Alte und wie er das so machte, wird in diesem
Büchlein anschaulich. Morgens erstmal ein kaltes Bad, damit man 'im Lot' ist und, ganz wichtig:
Jeden Tag 'ne Stunde spazierengehen, besser anderthalb. Wobei er je nach Stimmung mit der Dorf-
bevölkerung sprach, oder eben nicht. 'No daß mer's a bitzele woiß, was so passiert' im Ort. Die
Goldwespe 'Cleptes Juengeri' ist zu sehen und die Kästen mit seinen Käfersammlungen
in aufgezogenen Schubladen.
'Die Schublade, Grundlage des menschlichen Geistes'. Von wem war das nochmal? Muß ein Franzose
gewesen sein. 1996 hat ihm der Fotograf Stefan Moses eine Schildkröte geschenkt, Hebe, Tochter
des Zeus, auch abgebildet, Jünger hocherfreut :'Mit der möchte ich alt werden'. Einmal war er
in Berlin bei einem Empfang des Ullstein-Verlages an dem auch Albert Speer zugegen war, der
dauernd versuchte mit Jünger ins Gespräch zu kommen. Aber der schaffte es immer irgendwie gerade
mit jemand Anderem zu sprechen..
Das berichtet Johannes Gross, der wiederum den Speer immer mit 'Herr Reichsminister' ansprach,
was dem aber garnicht paßte. Joachim Kaiser hat eine kleine Nachrufbetrachtung überschrieben mit:
'Er konnte lachen':
Er spielte mit seiner Katze, sieht zum Haus gegenüber und sagt über den Baron Stauffenberg:
' Der umgibt sich mit Hunden und Pferden', kleine Lachpause,
'Zum Künstler paßt die Katze'. Einmal hat er gesagt: 'Wahrscheinlich werde ich lesend sterben'.
Kein typisches Schicksal für Ritterkreuzträger.
An der Hauptkampflinie herrscht ja mittlerweile Waffenruhe, deshalb bin ich etwas ins Plaudern
gekommen, mit Geschichten aus der Etappe. Wegtreten!