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Standardwerk für den Forscher, 7. November 2003
Rezension bezieht sich auf: Ernst-Jünger-Bibliographie (Gebundene Ausgabe)
Jedes Fachgebiet hat so seine Standardwerke. Meistens ist man sich als Forscher deren nur nach bestimmter Zeit bewusst. Anders bei Nicolai Riedels Jünger-Bibliographie, die mit Sicherheit schon seit seiner Erscheinung die conditio sine qua non zukünftiger Jünger-Forschung geworden ist. Dr. Nicolai Riedel, der sich als Bibliograph des Marbacher Literaturarchives bereits in der Vergangenheit der Neubearbeitung des Standardwerks von Des Coudres und Mühleisen widmete, ist nun den grossen Wurf gelungen, die eigentlich völlig unüberschaubare Wirkungsgeschichte methodisch zu systematisieren und darüberhinaus dem Forscher auch inhaltlich zugänglich zu machen. Dass er im Marbacher Literaturarchiv arbeitet, welches "bestrebt ist, die monographische Sekundärliteratur mit dem Anspruch auf Vollständigkeit zu sammeln, zu erschliessen und auf diese Weise der Forschung an einem Ort zugänglich zu machen" (S. VI), ist wohl eine Voraussetzung zu diesem Erfolg.
In seinem Vorwort schildert Riedel ausführlich die überdachte Methodik des Werkes. Nur wundert man sich ein wenig über die Jahrzahl 1928. Sind vor dieser Zeit vielleicht keine Veröffentlichungen vorhanden die den Kriterien der Aufnahme gerecht werden? Allerdings könnte man sich fragen ob er diese Kriterien für die Periode 1920-1928 nicht ein wenig hätte lockern können. Denn gewiss sind genau in jener bewegten Periode interessante - wenn auch kleinere und vielleicht nicht gerade objektive - Beiträge über Jünger zu finden. Sie könnten dem interessierten Leser vielleicht Einsicht geben in Jüngers damaligen Rezeption als Krieger und Künstler. Doch genau diese Kritik sollte man bei einem solchen Werk eigentlich unterlassen, denn so verschiebt man allzu leicht die Aufmerksamkeit vom Aufgenommenen zum nicht-Aufgenommenen. Und Riedels Kriterien zur Aufnahme sind bestens reflekiert. Niemand wird zum Beispiel bezweifeln, dass es wenig Sinn hat Magister- oder Examenarbeiten oder auch Beiträge von weniger als 4 bis 5 Druckseiten Umfangs in einer wissenschaftlichen Bibliographie aufzunehmen. (S. VI) Die insgesamt 1971 aufgenommenen Einträge stellen jedenfalls den wichtigsten Teil der wissenschaftlichen Jünger-Literatur dar. Allenfalls wächst in letzter Zeit auch der Bedarf einer Systematisierung der digitalen Quellen. Riedel hat recht wenn er meint so etwas sei nicht die Aufgabe einer Bibliographie in Buchform. Vielleicht könnte er in Zukunft versuchen diese traditionelle Bibliographie durch eine parallele und ständig evoluierende digitale Bibliographie der Internet-Ressourcen zu vervollständigen. So liesse sich die Flüchtigkeit des Internet einigermassen bewältigen. Allerdings wird man spätestens dann feststellen, dass viele Internet-Ressourcen ohne schriftlichen Pendant sehr oft un-wissenschaflicher Natur sind.
Riedel hat es aber nicht bei der Aufführung sämtlicher Veröffentlichungen gelassen. So werden dem Benutzer nicht nur die Inhaltsverzeichnisse der Monographien und Sammelwerke angeboten, sondern auch noch bibliographische Hinweise auf deren Rezensionen in Zeitschriften oder Zeitungen. Eine Bibliographie ist aber nur dann praktisch verwendbar wenn sie dem Leser auch gut zugänglich ist und auch hier enttäuscht Riedel nicht. Insgesamt vier Register erschliessen den Inhalt des Werkes. Im Werktitelregister finden sich die behandelten Werke Jüngers, sowie auch die Werke und Schriften anderer Autoren. Im Register der periodischen Veröffentlichungen werden die Titel der besprochenen Jahrbücher, Zeitschriften, zeitschriftenartige Reihen und Zeitungen aufgelistet. Viel interessanter ist aber das Sachregister. Sehr schnell und akkurat gelingt man inhaltlich zur genauen Stelle in der Sekundärliteratur. Interessiert man sich zum Beispiel für die magisch-realistische Tendenz im Werk Ernst Jüngers bekommt man gleich 14 Verweise zur Sekundärliteratur. Wer selber über Jünger forscht, weiss so etwas zu schätzen. Ein umfangreiches Personenregister schliesst das Werk ab.
Für den bibliophilen Jünger-Leser kann man noch bemerken, dass Einbandgestaltung und Typografik sehr sober und stillvoll sind. Auch der Druck und die Bindung sind vom höchsten Niveau. Der Preis ist dies mit 150 Euro allerdings auch. Für ein neues Standardwerk nennt man dies aber immerhin preiswert!
Hans Verboven
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