Pressestimmen
Ernst Ferdinand Winkler wurde 1837 als Sohn des Gärtners und Schmiedes in Kaufungen geboren. (Ein Jahr später zogen von dort und aus dem Nachbarort ca. 800 Menschen aus, um in Nordamerika, ihren lutherischen Glauben in 'wahrer' Gestalt leben können - der Geburtsvorgang für die heutige Missouri Synode.) Im Alter von 78 Jahren begann er, fußend auf Vorarbeiten, sein Leben in Reimform aufzuschreiben. Dieser Lebenslauf ist ein einziges Loblied auf die Führung Gottes in seinem und durch sein Leben. Es ist dies die Familiengeschichte aus der Sicht eines bis in das tägliche Leben und Denken hinein frommen Mannes, der sein ganzes Leben als aus der Gnade Gottes empfangen ansieht und daraus auch in wirklich schweren Stunden seine Kraft schöpft. In 878 sechs- bis zehnzeiligen Versen, die zum großen Teil im Buch abgedruckt sind, beschreibt er das Familienleben, von seiner Geburt an bis knapp zwei Jahre vor seinem Tod am 14. Februar 1925.
Zuvor wird in dem Buch aber auch noch in das Umfeld diese ungewöhnlichen Schmiedes eingeführt. Die Herausgeberin selbst berichtet über den Ort, die Familienherkunft und die Bindung der Familie an Kaufungen bzw. die Nachbarorte; Joachim Winkler, ehemaliger Schmied aus dem Nachbarort Niederfrohna und Urenkel Ernst Ferdinand Winklers, gibt einen Einblick in das Schmiedehandwerk und den Beruf des Dorfschmiedes im 19. Jh.
Neben einer großen Anzahl veranschaulichender Bilder, Dokumente und Fotografien wird ein aus dem handschriftlichen Lebenslauf in Versen gewonnener Überblick über die Lebensdaten Ernst Ferdinand Winklers geboten sowie eine Aufzählung all seiner Kinder und Enkel. Die beigegebenen Bilder und Dokumente sind kurz erläutert und erschließen so zusätzlich das Umfeld des frommen Mannes.
Wer ein Beispiel einfacher Frömmigkeit aus dem Volk sucht, das doch oft so schwer dokumentiert zu finden ist, der kann hier fündig werden. Auch wenn dieses Buch in erster Linie eine Winklersche familiengeschichtliche Veröffentlichung ist, so ist es doch auch ein deutliches Zeichen dafür, dass pietistischen Denken und Glauben auch in Sachsen tief verwurzelt war und prägen konnte. Der Herausgeberin sei Dank für die Mühe der Zusammenstellung. Leipzig, Markus Hein --'Herbergen der Christenheit' - Jahrbuch für deutsche Kirchengeschichte, Band 31 (2007)
Kurzbeschreibung
Der Autor über sein Buch
Über den Autor
Im Herbst 2004 erschien das ansprechende Buch Maiglöckchen Variationen eines traditionellen Strickmusters in einer Zusammenarbeit mit Frauen, die an Textilarbeiten interessiert sind. Ein weiteres Projekt ist die Lebensgeschichte ihrer Urgroßeltern, ein faszinierendes Zeitdokument in einem dörflichen Umfeld Sachsens von 1837 bis 1925, dieses Buch ist im Februar/März 2005 erschienen. Weitere Informationen gibt es auf ihrer umfangreichen Homepage lustauffarben.de.
Auszug aus Ernst Ferdinand Winkler - Ein ungewöhnlicher Dorfschmied in Sachsen 1837-1925 von Dorothea Fischer. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Als ich im Sommer 2003 zum 70. Geburtstag meines Bruders Christian in Kaufungen in meinem Elternhaus war, zeigte mir mein Neffe, der Schmiedemeister Matthias Rüger, Christians Sohn, viele alte Dokumente, die zur Schmiede unserer Vorfahren mütterlicherseits und ihrer Geschichte gehören. Matthias hat die Schmiede 1989, noch vor der Wende, von seinem Großonkel, Schmiedemeister Rudolf Winkler, dem Bruder meiner Mutter, gekauft, aber erst im Jahr 2003 wurden ihm diese zum Teil sehr alten Dokumente übergeben.
In den folgenden Wochen habe ich die Dokumente beginnend mit dem Jahr 1696 für Matthias digitalisiert und dabei einen intensiven Einblick in die Familiengeschichte erhalten. Von unseren Urgroßeltern Ernst Ferdinand und Ernestine Wilhelmine Winkler lag ein Testament mit drei Nachträgen dabei, das mich sehr berührt hat, und das ich für ein Zeitzeugnis von Interesse halte. Dieses Testament war für mich der Beweggrund, weiter zu forschen, und ich nahm den bevorstehenden 70. Geburtstag meines Bruders Reinhard im Jahr 2004 zum Anlass, ein Buch für die Familie zusammenzustellen und es Reinhard zu widmen. Meine älteste Schwester Marie hat mich darin bestärkt und mir vieles erzählt, was für mein Vorhaben wesentlich war.
Von meinem Cousin Prof. Dr. theol. Eberhard Winkler erhielt ich bei meinen Recherchen den Hinweis, dass Kopien eines handgeschriebenen Lebenslaufs unseres Urgroßvaters Ernst Ferdinand Winkler existieren, er hat mir eine Kopie zugänglich gemacht, wofür ich ihm besonders dankbar bin. Dieser Lebenslauf bringt seine tiefe, vom Pietismus geprägte Frömmigkeit zum Ausdruck, deren geschichtlichen Hintergrund Eberhard Winkler auf den Seiten 228 - 230 beschreibt.
Mein Cousin Schmiedemeister Joachim Winkler hat einen Beitrag über die Aufgaben des Dorfschmiedes im 19. Jahrhundert beigetragen, er findet sich auf den Seiten 14 -17.
Viele Familienangehörige haben mir kleine Eindrücke und Begebenheiten aus dem Leben von Ernst Ferdinand und Ernestine Wilhelmine erzählt und mir mit Informationen, Fotos und Gedichten weitergeholfen. Ich denke, dass die Erzählungen der Nachkommen und vor allem die Aufzeichnungen meines Urgroßvaters einen Eindruck von diesen für dörfliche Verhältnisse ungewöhnlichen Menschen vermitteln können.
Freunde haben mich darin bestärkt, das Buch zu überarbeiten und nun in einer erweiterten Form der Öffentlichkeit zu übergeben. Die Rechtschreibung war dabei ein Problem, wobei zu bemerken ist, dass unser Urgroßvater seine Aufzeichnungen nach der damaligen Rechtschreibung fast fehlerfrei zu Papier gebracht hat. Ich habe mich mit Blick auf die nachfolgenden Generationen weitgehend für die neue Rechtschreibung entschieden, sofern sie den Inhalt nicht verfälscht.
Das vorliegende Buch erhebt keinen Anspruch darauf, fehlerfrei zu sein. Das Buch will erzählen, Interesse wecken und Erinnerungen an die Menschen in dieser längst vergangenen Zeit bewahren. Die angeschnittenen Themen können in diesem Rahmen nicht ausführlich behandelt werden. Im Anhang finden sich zum besseren Verständnis einige Begriffserklärungen und Literaturhinweise. Nicht alle technischen Probleme konnte ich zu meiner vollen Zufriedenheit lösen.
Ich bedanke mich von Herzen bei allen, die zum Gelingen des Buches durch Informationen, Erzählungen, Fotos, Kopien, Dokumenten und Korrekturen beigetragen haben. Besonders bedanke ich mich bei Matthias, der den Beginn dieser Arbeit durch sein Vertrauen und die vielen Originaldokumente ermöglicht hat. Matthias hat mir außerdem viele Informationen aus seinen Nachforschungen, der Kaufunger Dorfchronik, den Kirchenbüchern, den Aufzeichnungen Kaufunger Pfarrer und den Aufzeichnungen meines Vaters Johannes Rüger weitergegeben.
Geesthacht im Januar 2005
Dorothea Fischer, geb. Rüger